Logistik:Alles in die Kiste

Lesezeit: 2 min

Logistik: Viele Dinge sind so selbstverständlich, dass ihr Einfluss auf unser Leben oft unterschätzt wird. Die SZ-Serie "Die kleinen großen Dinge" beleuchtet wichtige Erfindungen der Menschheitsgeschichte.

Viele Dinge sind so selbstverständlich, dass ihr Einfluss auf unser Leben oft unterschätzt wird. Die SZ-Serie "Die kleinen großen Dinge" beleuchtet wichtige Erfindungen der Menschheitsgeschichte.

(Foto: dpa)

Malcom MacLean, der 1956 den Container erfand, wurde anfangs belächelt. Heute ist der weltweite Handel ohne seine Stahlkisten nicht mehr vorstellbar.

Von Hubert Filser

Als der umgebaute Tanker Ideal X am 26. April 1956 bei strömendem Regen den Hafen von New York verließ, ahnte wohl keiner der Hafenarbeiter, dass er einem historischen Moment beiwohnte. Vielleicht kam es manch einem merkwürdig vor, dass der Tanker lediglich 58 stählerne Kisten geladen hatte, die Kante an Kante mit Hilfe einer speziellen Verankerung befestigt waren. Es waren die ersten 58 Container der Geschichte. Der amerikanische Reeder Malcolm MacLean schickte sie von New Jersey entlang der amerikanischen Ostküste in Richtung Houston, Texas. MacLean hatte auf der Ideal X eine Stahlebene einziehen lassen, um dort die Boxen festzuzurren.

Die stählernen Kisten waren 6,06 Meter lang, 2,44 Meter breit und 2,59 Meter hoch. Ihre Kerneigenschaften: Einfach in der Form, günstig in der Herstellung und vor allem stapelbar. Dieser 20-Fuß-Container markierte den Beginn der Globalisierung, mit ihm revolutionierte sich das internationale Transportwesen, die Warenströme liefen von nun an über die Weltmeere. Malcom MacLean hatte anfangs noch ganze Lkw verladen lassen, dann nur noch die Aufbauten - und schließlich hievten riesige Kräne seine Stahlbehälter auf das Schiff. Er hatte die Ladefläche eines Lkw mobil gemacht.

Unterschätzte Innovationen

Viele Dinge sind so selbstverständlich, dass ihr Einfluss auf unser Leben oft unterschätzt wird. Die SZ-Serie "Die kleinen großen Dinge" beleuchtet wichtige Erfindungen der Menschheitsgeschichte.

Finanziell brachte die Neuerung, die anfangs von Kollegen vor allem in Europa belächelt wurde, einen riesigen Vorteil. Knapp 90 Prozent der Hafengebühren ließen sich einsparen, statt mehrere Tage dauerte es nur Stunden, ein Schiff zu be- oder zu entladen. MacLean expandierte schnell, bereits 1957 fuhr eines seiner Schiffe mit 226 Containern, eine Stahlzellenkonstruktion an Bord machte das Stapeln möglich. Richtig erfolgreich machte den Reeder dann der Vietnam-Krieg, als er von 1967 an die amerikanischen Soldaten mit Nachschub versorgte - und damit weltweit agierte.

Container-Schiffe gehören heute zu den größten Schiffen der Welt, die 400 Meter lange Al Muraykh transportierte im Januar 2016 die Rekordzahl von 18 601 Einheiten der 20-Fuß-Container von Asien nach London. In einen solchen Standardcontainer passen 10 000 Jeans oder 50 000 Smartphones, ein paar Hundert Computer, Spielzeug, Maschinenteile für die Industrie, sogar Autos. Jede Stahlkiste ist dabei immer zuordenbar, mittels eines eigenen Codes aus vier Großbuchstaben und sechs Ziffern, plus Kontrollziffer.

Neben der ursprünglichen 20-Fuß- gehört inzwischen die doppelt so lange 40-Fuß-Variante zu den häufigsten Containern. Der Trend geht zu immer längeren Stahlkisten, die längsten sind derzeit 16,15 Meter lang (53 Fuß), es gibt auch etwas breitere Container, in denen sich zwei Euro-Paletten nebeneinander platzieren lassen. Derzeit sind weltweit weit mehr als 30 Millionen Container unterwegs.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB