bedeckt München

Laserwaffen werden Realität:Reif für den Kampfeinsatz

Die Laserkanonen von Rheinmetall sind offenbar reif für den Kampfeinsatz. Die Bundeswehr hat jedenfalls ihr Placet gegeben, und um ein Haar wären erste Strahlenkanonen nach Afghanistan verschifft worden, um Bundeswehr-Camps vor Flugkörpern zu schützen. An solchen lasergestützten C-RAM-Systemen (Counter Rocket, Artillery and Mortar) zeigte sich in London insbesondere auch das israelische Militär interessiert. Schließlich will man nicht auf Dauer jede selbst gebastelte Kassam-Rakete mit Abwehrgeschossen vom Himmel holen, die mehrere hunderttausend Dollar das Stück kosten.

Tatsächlich gelten die Kosten als wesentlicher Pluspunkt von Strahlenwaffen, ebenso wie die Tatsache, dass sie im Prinzip unbeschränkt nachgeladen werden können. Militärstrategen sind zudem der Ansicht, dass sie die Opferzahlen auf Schlachtfeldern und in Krisengebieten deutlich verringern würden. Zumindest kleinere, handliche Versionen von Laser- und Strahlenwaffen betreffend, klingt dieses Argument sogar plausibel. Im Irak ist es zum Beispiel gelungen, die Zahl tödlicher Missverständnisse an Kontrollpunkten deutlich zu senken, indem das Wachpersonal Laser-Blendgeräte statt Schusswaffen einsetzte.

Zu den potenziell kampftauglichen elektromagnetischen Geräten gehören auch sogenannte HPMs, High Power Microwaves, leistungsstarke Mikrowellenstrahler. Mit diesen lassen sich unter anderem elektronische Gegenstände aus sicherer Entfernung matt setzen, Landminen oder sogenannte IEDs zum Beispiel, improvisierte, oft ferngezündete Sprengsätze, wie sie im Irak und in Afghanistan zum Alltag gehören. Aber auch Autos, Boote und womöglich Drohnen wie jene von Dresden lassen sich stoppen, indem ein heftiger elektromagnetischer Impuls deren Elektronik außer Gefecht setzt. Mit solchen Geräten experimentiert unter anderem der deutsche Waffenhersteller Diehl BGT. Ein Demonstrationsvideo zeigt, wie ein Lkw mehrere am Wegrand versteckte Sprengkörper mit Hilfe von Mikrowellen explodieren lässt. Ob das im Ernstfall zuverlässig funktioniert, ist jedoch fraglich. Ein ähnliches System der US-Streitkräfte namens Zeus wurde nach Tests in Afghanistan wieder eingemottet. Es sollte Landminen zur Detonation bringen, schaffte aber nur eine Säuberungsrate von 80 Prozent - nicht genug, um die eigene Infanterie zu schützen.

Eine slowakische Start-up-Firma namens Defencetech präsentierte in London ein handliches Mikrowellengewehr sowie eine strahlende Gummimatte, die angeblich beide in der Lage sind, Fahrzeuge zu stoppen. Der Hersteller setzt dabei auch auf zivile Anwendungen etwa gegen Raser oder Amokfahrer. Womöglich wäre es ja in der Tat humaner, ein verdächtiges oder außer Kontrolle geratenes Auto mit Mikrowellen zu stoppen statt mit Schusswaffen.

Erwartbar umstritten ist der Einsatz solcher auf Mikrowellen basierender Active Denial Systems, wenn sie gegen Menschen gerichtet werden. Bei entsprechender Leistung und Frequenz - ein Prototyp funktioniert mit 94 Gigahertz - können Mikrowellen auf der Haut einen unerträglichen Juckreiz auslösen, Experten nennen es den Floh-Effekt. Wer derart bestrahlt wird, "will nur noch weg", berichtet ein Insider. Im Prinzip könnte eine solche - im Militärjargon "nicht-letal" genannte Waffe - ein Ersatz für Tränengas und Gummigeschosse sein. Im Jahr 2010 brachten die amerikanischen Streitkräfte ein solches ADS-Gerät in den Irak. Dort wurde es jedoch nie eingeschaltet, zu sehr fürchtete das Militär schlechte Presse und unkalkulierbare Reaktionen der Bevölkerung.

Mit ernsthaften Risiken für Nebenwirkungen behaftet sind auch klassische Laser: Sie können Menschen das Augenlicht rauben. Das war mit ein Grund, warum der fliegende Jumbo, der Airborne Laser, letztlich keine Freunde fand. Zu groß ist die Gefahr, dass eine im Luftraum herumschießende Laserwaffe auch Menschen trifft und erblinden lässt. Ähnliches wird im Zusammenhang mit bodengestützten Laserkanonen diskutiert. Doch findige Waffenforscher bieten bereits einen Ausweg an: Infrarot-Strahlen mit einer Wellenlänge von 1600 Nanometer sind für menschliche Augen unsichtbar und verlieren auf dem Weg durch die Luft auf jedem Kilometer nur zwei Prozent ihrer Intensität.

All diesen Erwägungen zum Trotz sehen sich Experten mit großer Skepsis seitens der Politik und der Bevölkerung konfrontiert. Kritiker wähnen die nächste Generation apokalyptischer Vernichtungswaffen heranreifen, und im Internet kursieren allerhand Verschwörungstheorien, wonach Strahlenwaffen längst in Geheimgefängnissen und gegen unbescholtene Bürger eingesetzt werden. Techniker hingegen sehen Laserkanonen als Defensivwaffen mit dem Potenzial, die mit herkömmlichen Geschossen verbundenen sogenannten Kollateralschäden einzudämmen. "Wir müssen etwas herausbringen, das funktioniert", mahnt daher ein Waffenexperte, etwas, das auch Laien seinen Nutzen verdeutlicht. Worauf einem anderen Experten herausrutscht: "Also, wie starten wir den nächsten Krieg?" Ein Scherz. Natürlich.

© SZ vom 04.02.2014/mcs
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema