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Klimawandel:Ein Inseldorf will weg vom Meer

Chukchi Sea Town Of Shishmaref, Alaska Concerned Over Gov't Approval Of Exploratory Oil Drilling

Kinder spielen in Shishmaref - nur: Wie lange noch?

(Foto: AFP)

Zwei Häuser sind schon ins Meer gestürzt, jetzt wollen die Bewohner eines Dorfes in Alaska aufs Festland umziehen. Doch das können sie nur, wenn der Klimawandel schuld an den Veränderungen ist.

Von Esther Widmann

Shishmaref ist ein Dorf in Alaska, auf einer schmalen Insel namens Sarichef nahe der Beringstraße, dort, wo sich Nordamerika und Sibirien bis auf 85 Kilometer nahe kommen. Nur 600 Menschen wohnen dort, und die könnten nun zu einem Symbol werden. Denn die Bewohner haben in einer Abstimmung entschieden, auf das Festland zu ziehen, weil ihre Insel ihnen unter den Füßen weggespült werden könnte. Umweltschützer sehen darin einen klaren Hinweis auf die Folgen des Klimawandels - und die Menschen aus Shishmaref als Opfer der menschengemachten Katastrophe.

Esau Sinnok, der aus Shishmaref stammt, schrieb im vergangenen Jahr, seine Heimat habe in den vergangenen 35 Jahren etwa 1000 Meter durch Küstenerosion verloren. Schuld daran ist seiner Meinung nach der Klimawandel - also der Mensch. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace sieht das genauso.

Durch den Klimawandel friere das Meer in der Arktis erst Ende Dezember zu. Dadurch seien die Küsten wie die von Shishmaref der Erosion durch Wellen preisgegeben. Hinzu kommt, dass mit dem steigenden Meeresspiegel auch Sturmfluten häufiger werden. Diese Effekte beschreiben auch Wissenschaftler der Abteilung Alaska des US Geological Survey. Sogar die Regierung des Bundesstaates Alaska gibt zu, dass Küstenerosion als Effekt des Klimawandels die Region bedroht. Das staatliche Umweltlabor für den Pazifik PMEL schreibt explizit, Shishmaref solle wegen der steigenden Temperaturen und des Eisrückgangs evakuiert werden.

Woher das Geld für den Umzug nehmen?

Seit Jahren beobachten die Einwohner von Shishmaref, von denen die meisten zur Inuit-Ethnie der Iñupiat gehören, wie Wind und Wasser an ihrem Dorf nagen. Zwei Häuser sind bereits ins Meer gestürzt. Seit Jahren diskutieren sie, ob sie gehen oder bleiben sollen. Bleiben - das ginge nur, wenn die Schutzmaßnahmen verstärkt würden. Doch nicht einmal die einst begonnene Ufermauer wurde fertiggestellt. Und gehen, sich womöglich einer anderen Gemeinde anschließen, ist für viele im Dorf nicht akzeptabel. Es würde, so sagen sie, den kulturellen Tod bedeuten.

Aber "nichts zu tun ist keine Option", sagt Bürgermeister Howard Weyiouanna. Deshalb gab es jetzt die Abstimmung und den Entschluss umzusiedeln und das eigene Dorf quasi woanders wieder aufzubauen, in einem etwa 16 Kilometer entfernten Gebiet namens West Tin Creek. Der britische Guardian berichtet, das Projekt würde 180 Millionen Dollar kosten.

Woher das Geld kommen soll, ist allerdings noch unklar. Bereits 2002 hatte sich das Dorf in einer Abstimmung für einen Umzug entschieden. Sie scheiterte jedoch an mangelnder finanzieller Unterstützung durch den Staat. Auch diesmal sieht es bislang nicht danach aus, dass die Regierung die Einwohner von Shishmaref als Klimaflüchtlinge einstuft - und nun endlich die Kosten für den Umzug übernehmen würde.

© SZ.de/ewid/fehu

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