Klimaforscher Zu stark verallgemeinert

Derweil hat die niederländische Umweltagentur PBL einen Teil des jüngsten IPCC-Berichts durchleuchtet: die acht Kapitel der Arbeitsgruppe II des Weltklimarats, in denen es um voraussichtliche regionale Folgen des Klimawandels geht.

Ihr Report wurde am vergangenen Montag veröffentlicht. Anlass dafür waren zwei Fehler: die 2035 / 2350-Verwechselung bei den Himalaya-Gletschern und die falsche Angabe, dass 55 Prozent der niederländischen Landfläche unterhalb des Meeresspiegel lägen.

Dafür hat die PBL selbst die Verantwortung übernommen. In Meldungen an den Weltklimarat seien zwei Zahlen unzulässig zusammengefasst worden: 26 Prozent der Fläche liegen in der Tat unter dem Meeresspiegel, sind also der Gefahr von Salzwasser-Überflutung ausgesetzt. Weitere 29 Prozent könnten von Flüssen überschwemmt werden.

Diese beiden Fehler hatten die Regierung in Den Haag veranlasst, bei der PBL einen Prüfbericht in Auftrag zu geben. Die Experten haben noch acht weitere Punkte aufgeworfen; keiner davon beeinträchtige aber die Grundaussagen des IPCC-Reports. Falsch war zum Beispiel, von einer Abnahme von Meereswirbeln im Pazifik vor Südamerika auf die Abnahme der Anchovi-Produktion zu schließen, sagen die Holländer.

Zudem hätten die IPCC-Autoren womöglich allzu stark verallgemeinert, als sie von Trends in Marokko für ganz Nordafrika generalisierten oder einige Feldfrüchte in Niger als Indikator für alle Ernten in der Sahelzone nahmen. Auch setzten sie Rinder in Argentinien und Bolivien vielleicht allzu schnell als stellvertretend für den ganzen Viehbestand Lateinamerikas.

In einigen Fällen stimmten Zahlen zudem nicht ganz, moniert das PBL: In Afrika würden 2020 nicht 75 bis 250 Millionen Menschen zu wenig Wasser haben, sondern 90 bis 220 Millionen.

Generell neige der IPCC-Report dazu, die negativen Konsequenzen besonders herauszustellen, hat das PBL festgestellt. In den acht Kapiteln sei das allerdings weniger ausgeprägt als in den zugehörigen Resümees. Dieses Betonen und Zuspitzen der Risiken hätten die Regierungen, die den IPCC tragen und am Ende seine "Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger" Zeile für Zeile abnicken, allerdings genau so angeordnet.

In einer Reaktion auf die Analyse aus Den Haag würdigte die Leitung des Weltklimarates nur, dass die niederländische Regierung die zentralen Schlussfolgerungen des IPCC bestätigt habe. Zugleich begrüßte man die Hinweise der Experten zur "Stärkung zukünftiger Berichte". Der Chef des Weltklimarates, der Inder Rajendra Pachauri nannte den PBL-Report "eine nützliche Anerkennung der zentralen Rolle des IPCC".

Auf die entdeckten Fehler und Ungenauigkeiten geht sein Statement nicht ein; es dürfte daher die Kritik vor allem an Pachauris Rolle anheizen, der bisher nicht erkennen lässt, dass er irgendwelche Konsequenzen aus den Vorwürfen gegen seine Institution oder seine Person zieht.

Allerdings steht eine Prüfung noch aus. Seit März arbeitet eine zwölfköpfige Arbeitsgruppe des Inter-Academy Council, also des Zusammenschluss der nationalen Akademien der Wissenschaften, an einem Bericht über die Arbeit des IPCC.

Die Vereinten Nationen und der Weltklimarat selbst hatten die Analyse in Auftrag gegeben. Der Report soll am 30. August veröffentlicht werden. Bis dahin haben die Klimaforscher und die Blätter auf ihren Schreibtischen Sommerpause.