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Kernkraftwerke heruntergefahren:Südkorea setzt trotz neuer Störfälle weiter auf Atomkraft

In gleich zwei südkoreanischen Atomkraftwerken mussten Reaktoren heruntergefahren werden. Radioaktivität soll aber nicht ausgetreten sein. Es sind nicht die ersten Störfälle in diesem Jahr. Trotzdem setzt Südkorea weiterhin voll auf Kernenergie.

In Südkorea sind gleich zwei Atomreaktoren in zwei verschiedenen Kernkraftwerken wegen Störungen abgeschaltet worden. Wie die Betreiber erklärten, wurde der 1000-Megawatt-Reaktor Shin Kori 1 heruntergefahren, nachdem ein Problem im System der Kontrollstäbe um 8.10 Uhr Ortszeit ein Warnsignal ausgelöst hatte. Die Lage im Kraftwerk in der Nähe der Stadt Busan, das über insgesamt sechs Reaktoren verfügt, sei jedoch stabil, sagte ein Sprecher des staatlichen Betreibers Korea Hydro and Nuclear Power (KHNP) der Nachrichtenagentur AFP. Steuer- oder Kontrollstäbe dienen dazu, Kernreaktoren abzuschalten. Der Reaktor ist erst seit Februar 2011 in Betrieb.

Zweieinhalb Stunden später schaltete sich einer der sechs Reaktoren im Kernkraftwerk Yonggwang, etwa 260 Kilometer von der Hauptstadt Seoul entfernt, automatisch ab. Die Ursache war der australischen Agentur AAP zufolge eine Fehlfunktion in einer der Pumpen, die den Reaktor mit Wasser versorgen.

In beiden Fällen sei keine Radioaktivität ausgetreten, hieß es. Die beiden Vorfälle, zu denen es jeweils an der südwestlichen und südöstlichen Küste gekommen ist, sollen nicht zusammenhängen.

Sie reihen sich in eine lange Liste von Störungen in Atomkraftwerken in Südkorea ein. Im August war der Reaktor Shin Wolsong 1 an der Küste im Südosten des Landes wegen Problemen in der Energieversorgung abgeschaltet worden - nur 19 Tage nachdem er ans Netz gegangen war. Ende Juli hatte sich in Yonggwang ein Reaktor wegen einer Störung abgeschaltet. Im März war der älteste Kernreaktor Südkoreas, Kori 1 (nicht zu verwechseln mit seinem jetzt betroffenen Nachbarn Shin Kori 1) wegen eines Störfalls heruntergefahren worden. Dem Korea Herald zufolge mussten in diesem Jahr insgesamt sieben Reaktoren gestoppt werden.

Vor allem Kori 1 sorgte für Aufsehen: Die Stromversorgung des Reaktors war am 9. Februar für zehn Minuten ausgefallen, der Notfallgenerator nicht angesprungen, so dass das Kühlwasser nicht mehr zirkulieren konnte und die Temperatur im System anstieg.

Zwar blieb eine Katastrophe aus, doch die Internationale Atomenergiebehörde IAEA stellte später fest, dass die für den Reaktor verantwortlichen Ingenieure die Sicherheitsprobleme mehr als einen Monat lang ignorierten. Das berichtete das Fachmagazin Nature.

Dabei hatte die Regierung in Seoul nach dem Super-Gau von Fukushima angekündigt, die Sicherheitsstandards für Atomanlagen zu überprüfen. Im Mai wurden fünf Ingenieure angeklagt, gegen die Sicherheitsbestimmungen verstoßen zu haben. Trotz heftigen Widerstands in der örtlichen Bevölkerung wurde der Reaktor Anfang August wieder ans Netz genommen. Die Regierung reagierte auf eine Hitzewelle, die zu einem starken Anstieg des Stromverbrauchs im Land führte.

Ursprünglich hätte der Reaktor, der seit 1978 in Betrieb ist, nach 30 Jahren vom Netz genommen werden sollen. 2008 hatten die Behörden nach einer Prüfung der IAEA den Reaktor aber für geeignet erklärt, weitere zehn Jahre lang Energie zu liefern.

Südkorea will Atomanlagen exportieren

Trotz der Atomkatastrophe von Fukushima setzt Südkoreas Regierung weiterhin auf Atomkraft. Das Land muss der World Nuclear Association zufolge seine anderen Energiequellen - vor allem Kohle, Gas und Öl - gegenwärtig fast ausschließlich auf dem Seeweg aus dem Ausland importieren. Außerdem versucht Südkorea, sich weltweit als Exporteur für Atomanlagen zu etablieren.

Zurzeit sind 23 Reaktoren in Betrieb, ihr Anteil an der Stromerzeugung im Land beträgt 35 Prozent. Viele weitere Reaktoren sollen in den nächsten Jahren ans Netz, die Atomkraftwerke sollen bis 2030 fast 60 Prozent der Energie erzeugen.

Doch die Kritik an der Energiepolitik wächst seit Fukushima. Zwar ist das Risiko von Erdbeben und Tsunamis in Südkorea niedriger, wie Choi Yul, Präsident der Korea Green Foundation, der Japan Times bereits Anfang des Jahres erklärte.

Der Aktivist sorgt sich jedoch nicht nur wegen möglicher Naturkatastrophen und menschlichem Versagen. Er befürchtet, dass Nordkorea die Atomkraftwerke bombardieren könnte.

© Süddeutsche.de/AFP/dpa/mcs/rela/rus
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