bedeckt München
vgwortpixel

Kampf gegen Klimawandel:Die Umwelt weißwaschen

"Wir wissen, was zu tun ist" - im Kampf gegen den Klimawandel warten Nobelpreisträger mit gewagten Ideen auf. Einer davon: Alle Dächer und Straßen der Welt sollen weiß getüncht werden.

Der Vorschlag des amerikanischen Energie-Ministers wirkt kühn, vor allem in diesem Ambiente. Ausgerechnet in der historischen Picture Gallery des St. James's Palace in London, unter Kronleuchtern, vor Gemälden alter Meister, sieben Meter vom Hausherrn, dem britischen Kronprinzen Charles entfernt, empfiehlt der Physik-Nobelpreisträger Stephen Chu allen ernstes, die Welt möge ihre Dächer weiß streichen und auch den Straßen einen helleren Farbton geben.

weiße Dörfer auf den Kykladen

Die reflektierende Kraft weißer Dörfer nutzt man beispielsweise auf den griechischen Kykladen schon lange.

(Foto: Foto: Tourismusverband Griechenland)

Das anwesende Publikum nimmt die Idee wohlwollend zur Kenntnis, auch wenn man annehmen darf, dass niemand im Saal den im Tudor-Stil aus braunen Ziegeln gemauerten Palast von Prinz Charles vis-a-vis vom Buckingham Palace, nun weiß tünchen will.

Tatsächlich beeindrucken die Zahlen, mit denen Chu seinen für Laien zunächst skurril wirkenden Vorschlag begründet. Wenn helle Dächer und Straßen mehr Sonnenlicht zurück in den Weltraum reflektieren, brauchen Klimaanlagen weniger Energie. Von der eingesparten Energie könne man sämtliche Autos der Welt elf Jahre lang betreiben. "Solche Sparmaßnahmen sind der wichtigste Faktor, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu begrenzen", sagt Chu.

Viele seiner Zuhörer haben die gleichen akademischen Ehren erfahren wie der zum Minister gewandelte Physiker. 20 der 60 Teilnehmer der Londoner Konferenz haben einen Nobelpreis für Physik, Chemie, Wirtschaft, Frieden oder Literatur gewonnen. Die anderen in der elitären Runde haben sich als Forscher oder Leiter internationaler Organisationen dem Thema Klimawandel verschrieben.

Unter dem Titel "The fierce urgency of now" (Die grimmige Dringlichkeit des Jetzt, eine vom amerikanischen Bürgerrechtler Martin Luther King entliehene Formulierung) traf sich die elitäre Runde zur zweiten Tagung dieser Art. Schon auf der ersten Konferenz, die Merkels Klimaberater Hans Joachim Schellnhuber im Oktober 2007 in Potsdam organisiert hatte, hatten die Nobelpreisträger an die Regierungen der Welt appelliert, den Klimaschutz voranzutreiben. Bei dem diesjährigen Treffen in London sind vor allem jene Politiker die Adressaten, die sich im Dezember in Kopenhagen zu einem entscheidenden Weltklimagipfel treffen werden.

"Ein Memorandum, das die Weisheit und Autorität dieser Gruppe zusammenführt, sollte großen Einfluss auf die Entscheidungen in Kopenhagen haben", sagte Prinz Charles in seiner Begrüßung am Mittwoch. "Eine große Menge von Menschen haben die Dringlichkeit der Situation noch nicht begriffen", warnte der Prinz.

Eine starke Erwärmung der Atmosphäre "könnte unglaublich große Teile der Welt unbewohnbar machen und Milliarden, ja Milliarden von Menschen zu Umweltflüchtlingen". In Kenia habe sie das bereits erlebt, berichtete die Friedensnobelpreis-Trägerin Wangari Maathai. "Lasst uns in das Memorandum hineinschreiben, was nur wir sagen können", sagt sie darum. "Lasst uns hineinschreiben, was uns stört, unser Gewissen belastet."

Ihre Worte sind im fertigen Memorandum zu einem aufrüttelnden Schlussappell geworden: "Wir wissen, was zu tun ist. Wir dürfen nicht warten, bis es zu spät ist", heißt es dort. Zudem fordern die Nobelpreisträger die politischen Führer auf, den Pfad zu einer Wirtschaftsordnung einzuschlagen, die nicht mehr auf dem massenhaften Verbrauch von fossilen Energiequellen basiert. Der erste Schritt dazu sei, in einem internationalen Abkommen zu vereinbaren, die jährlichen Treibhausgas-Emissionen von 2015 an zu senken und den weltweiten Ausstoß bis 2050 gegenüber dem Niveau von 1990 mindestens zu halbieren.

Regenerative Energie

Energische Ästhetik