Johann Friedrich Böttger Wie ein Apothekergeselle das Meißner Porzellan erfand

Gekreuzte Schwerter: Das Markenzeichen der Porzellan-Manufaktur Meissen wird auf einen Rohling gemalt.

(Foto: Arno Burgi/dpa)

Vor 300 Jahren sollte Johann Friedrich Böttger für den Kurfürsten von Sachsen Gold machen - und scheiterte. Im Luxus-Kerker tüftelte er weiter. Und stellte "weißes Gold" her.

Von Josef Schnelle

Er konnte "Gold machen", haben Zeitzeugen versichert, und er erfand das europäische Porzellan. Dabei war er nur Apothekergeselle aus Schleiz an der Saale. Mit Geld und Gold hatte der 1682 geborene Erfinder Johann Friedrich Böttger von Beginn an zu tun: Der Vater war Münzmeister, die Mutter kam aus dem Münzadel Brandenburgs in Magdeburg.

Oder war er wirklich ein Zauberer? Einer, der die "schwarze Kunst" der Chemielaboranten, die Alchemie, beherrschte, den "Stein der Weisen" entdeckte, mit leichter Hand sagenhafte Goldschätze und dann noch das damals fast wertvollere weiße Hartporzellan herstellen konnte?

Goldherstellung mit einem Taschenspielertrick

Tatsache ist: Mit 14 wurde Böttger in die Lehre des Berliner Apothekers Friedrich Zorn gegeben. Er begann, sich immer stärker für Alchemie zu interessieren.

1701 wandelte er vor Meister Zorn und drei weiteren Zeugen angeblich Silber in Gold um. Geholfen habe ihm dabei, so sagt man, der rätselhafte griechische Mönch Lascaris, der ihn in die Geheimnisse des Goldmachens einwies und ihm zum Abschied ein kleines Fläschchen mit zwei Unzen rotem Pulver oder einer Flüssigkeit hinterließ, was ihm dazu diente, einen Goldklumpen von 33 Gramm zu erzeugen.

Weil aber Gold nach heutiger Erkenntnis nicht künstlich hergestellt werden kann, zelebrierte er wahrscheinlich Taschenspielertricks. So könnte er etwa sogenanntes "philosophisches" Quecksilber benutzt haben, das sofort die Farbe von 10 bis 12 Prozent beigefügtem Goldabrieb annahm. Nach dem Erhitzen blieb nur das Gold übrig. Das Quecksilber hingegen verflüchtigte sich vollständig.

Die Gerüchte über Böttgers außergewöhnliche Fähigkeiten machten die Runde bis nach Wittenberg in Sachsen, wo er auf der Flucht vor den Schergen des preußischen Königs Friedrich I., der auf den Goldmacher aufmerksam geworden war, Unterschlupf fand. Konkret landete er dort im Polizeigewahrsam der Sachsen.

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Nachdem die diplomatische Verstimmung zwischen Brandenburg-Preußen und Sachsen beigelegt war, wurde er nach Dresden gebracht, wo August der Starke ihn seines Schutzes und seiner Protektion versicherte, ihn aber angeblich aus Sicherheitsgründen im Keller des Fürstenbergschen Hauses einsperren ließ.

Als persönlicher Goldmacher Augusts verbrachte er die folgenden zwölf Jahre bis 1714 in mehr oder weniger luxuriösen Kerkern und Laborgewölben. Er sollte dem klammen Kurfürsten, der auch König von Polen war, mit künstlichem Gold zur Seite stehen.

Die märchenhaften Mengen, die August erwartete, konnte Böttger aber nie liefern, obwohl es auch hier zu Vorführungen von Goldherstellung vor Zeugen kam, unter ihnen August der Starke höchstselbst - nachweislich am 20. März 1713.

Alle bemühten sich, Böttger den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Erst im sogenannten "Goldhaus" nah beim Residenzschloss an der Stadtbefestigung konnte er residieren wie ein Hochstapler von kurfürstlichen Gnaden. Er hatte ein eigenes Billardzimmer und durfte sich direkt aus der Hofküche beliefern lassen.

Mittags und abends gab es fünf Gerichte nebst Wein und Bier für den vermeintlichen Goldmacher und seine Gäste. Er galt als gut aussehender, unterhaltsamer Gesellschafter, veranstaltete rauschende Feste und spielte gern um Geld, auch mit den häufiger auftauchenden Hofdamen. Nur Gold konnte er nicht machen.

Johann Friedrich Böttger (1682-1719)

(Foto: Süddeutsche Zeitung Photo)

Langsam wurde August der Starke ungeduldig. Böttger musste Angst haben, denn Berichte über erfolglose Alchemisten, die man schwer bestraft oder gar gehängt hatte, häuften sich.

Fast kostbarer als Gold war damals das Hartporzellan, dessen Herstellungsprozess offenbar nur die Chinesen seit mehr als 1500 Jahren - vermutlich seit der Han-Dynastie um das Jahr 206 - kannten. Unsummen ließen sich die europäischen Fürstenhäuser die Schätze aus dem fernen Osten kosten, weswegen vom "weißen Gold" die Rede war.

August der Starke strebte eine absolutistische Hofhaltung nach Vorbild des Sonnenkönigs Ludwig XIV. an. Für den sächsischen Hof war der Naturforscher und Mathematiker Ehrenfried Walther von Tschirnhaus zuständig, der Recherchereisen bis nach Paris unternommen hatte.

Dem Ruhm konnte Böttger nicht lange genießen

Im Kollegium Contubernium forschte nun eine größere Gruppe um Böttger und von Tschirnhaus nach dem "Stein der Weisen" und anderen Absonderlichkeiten.

Auch die Porzellanherstellung war hier angesiedelt. Und dann ging es schnell: 1706 konnte man "rotes Porzellan" herstellen - später Böttgers Steinzeug. Für das strahlende Weiß des echten Porzellans fehlte aber eine entscheidende Zutat, die man erst finden musste.

Sämtliche Erden Sachsens wurden gesichtet, zermahlen und geschlämmt, bis mit Feldspat neben Kaolin und Quarz der dritte Bestandteil des "weißen Goldes" entdeckt wurde. Der kristallisierte im hochtemperaturigen Brennprozess und gab dem feinen Porzellan seine fast durchsichtige weiße Färbung. Nun mussten noch Glasur, geeignete Farben und zuverlässige Öfen erfunden werden, die stabile 1300 Grad erzeugen konnten.

Diese Fertigungsprozesse wurden wohl maßgeblich von Böttger entwickelt, bis dann 1713 erstmals glasiertes weißes Porzellan auf der Leipziger Ostermesse verkauft werden konnte. Da war Böttger aber schon schwer krank. Zu lange hatte er die giftigen Dämpfe seiner Labore eingeatmet.

Man übertrug ihm zwar noch die Leitung der Meißener Porzellanmanufaktur, er starb jedoch 1719 in Dresden mit 37 Jahren. Nur für kurze Zeit hatte der geniale Erfinder den Ruhm genießen können, der ihm zustand. Doch bleibt bis heute auch der Verdacht, dass er in Wahrheit ein gewiefter Scharlatan gewesen ist.

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