Infektionskrankheiten Mehr Ernten und mehr Malaria

Bewässerungsprojekte in trockenen Gebieten armer Länder können unerwünschte Nebenwirkungen haben: Die Verbreitung von Malaria-Mücken.

Von Christopher Schrader

Die Entscheidung, trockene Gebiete in armen Ländern zu bewässern, birgt ein schwieriges Dilemma. Mit dem Wasser kommen schließlich die Mücken, die Malaria bringen können, wie ein internationales Forscherteam um Andres Baeza von der University of Michigan am Beispiel des indischen Bundesstaates Gujarat zeigt.

Dort soll ein gewaltiges Projekt 19 Millionen Hektar Land bewässern und einer Million Bauern helfen, verlässliche Ernten einzufahren und so der Armut zu entkommen. Andererseits aber steigt das Risiko, Malaria zu bekommen, entlang der neu angelegten Bewässerungskanäle drastisch, weil die Insekten vermehrt stehendes Wasser finden, um Eier darin abzulegen.

Historisch belegt ist aber auch, dass mit der wirtschaftlichen Entwicklung einer Region die Malaria-Prävalenz stark fällt. Das zeigt sich zum Beispiel an Landkreisen in Gujarat, wo die Felder seit 30 Jahren aus Tiefbrunnen bewässert werden und die wenig Probleme mit Malaria haben.

Bewässerungskanäle in Gujarat im Nordwesten Indiens bieten Moskitos Brutmöglichkeiten

(Foto: Andres Baeza)

Die Erkrankungsrate liegt hier teilweise um den Faktor 100 niedriger als in benachbarten Regionen, die auf Regen und Wasserkanäle setzen (PNAS, online).

Die Forscher schließen daraus, dass die Übergangszeit mit erhöhtem Malaria-Risiko mehrere Jahrzehnte dauern kann. "Die Langzeitplanung muss diese Gesundheitsfragen berücksichtigen", sagt Baeza. Projekte wie das in Gujarat bräuchten bindende Zusagen, die Malariabekämpfung zu finanzieren, bis die Krankheit wieder unter Kontrolle ist.