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Geologie:Farbexplosion am Vulkan

Wai-O-Tapu - Heiliges Wasser - nennen die Ureinwohner Neuseelands die Thermalquellen nahe der Stadt Rotorua.

(Foto: Bernhard Edmaier)

Am "Champagne Pool" auf Neuseeland blubbert es unaufhörlich aus dem Untergrund, das heiße Wasser färbt die Bodenoberfläche in schrillen Farben.

Seit 900 Jahren sprudelt es pausenlos aus der Erde der Nordinsel Neuseelands. Die Explosion eines Vulkans riss damals einen Krater ins Eiland, 65 Meter breit und 60 Meter tief. Er füllte sich mit grünlichem, weil chlorreichem Quellwasser, das seither nachströmt. Es ist etwa 75 Grad Celsius heiß und enthält jede Menge Kohlensäure. Als hätte man eine überdimensionale Champagnerflasche geöffnet, perlen deshalb unaufhörlich Abermillionen von Kohlendioxidbläschen vom Kraterboden hoch zum Wasserspiegel, wo sie zerplatzen. Deshalb der Name des Ortes: Champagne Pool.

"Wai-O-Tapu", Heiliges Wasser, nennen die Maori, die Ureinwohner Neuseelands, das Quellbecken nahe der Stadt Rotorua im Vulkangebiet. Oft sind die weißen Gasschleier, die über dem Becken wabern, so dicht, dass man das gegenüberliegende Ufer kaum erkennen kann. Das Ufer um den Champagne Pool ist quietschbunt eingefärbt, gelb, rot und orange.

Für die Farbexplosion ist das Gemisch aus dem Erdinneren verantwortlich. Champagner ist dafür eigentlich das falsche Wort, es handelt sich mehr um einen Cocktail: Das heiße Quellwasser transportiert neben Kohlendioxid auch Chlormineralien, Eisen- und Schwefelverbindungen nach oben - und Kieselsäure. Sie kristallisiert bei den kühleren Temperaturen am Beckenrand aus und bildet eine dicke helle Schicht, die als Sinterkruste bezeichnet wird. Wo das Wasser über das Quellbecken schwappt, überdeckt der Kieselsinter großflächig den Boden der "Artist's Palette" - Künstlerpalette - genannten Ränder. Spuren von Eisen- und Schwefelverbindungen färben sie gelb.

Die "Künstlerpalette" am Ufer des Champagne Pool

(Foto: Bernhard Edmaier)

Temperatur, Mineralgehalt und sogar Bakterien beeinflussen das Farbspiel

Der intensiv orangerote Niederschlag auf der Kieselkruste besteht aus Arsen- und Antimonverbindungen, mit Spuren von Quecksilber, Silber und sogar Gold - alles Stoffe, die vom heißen Wasser aus dem vulkanischen Untergrund herausgelöst und nach oben gespült wurden.

Geothermalquellen gibt es überall dort auf der Welt, wo Grundwasser in der heißen Tiefe des Planeten zirkuliert, sich aufheizt, durch Spalten und Risse im Gestein steigt und - erwärmt oder auch kochend heiß - an der Oberfläche aus dem Boden fließt. Das passiert vor allem in der Umgebung von Vulkanen, da dort der Untergrund heiß und besonders mineralreich ist. Allein im Yellowstone-Nationalpark in Wyoming gibt es 10 000 Quellaustritte - darunter den Pool "Grand Prismatic Spring", der in den Regenbogenfarben leuchtet.

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Je nach Temperatur und Mineralgehalt können das Wasser und die Erde um diese Quellen herum erstaunliche Farben annehmen - intensiv blau, grünlich, gelb, orange, braun und sogar rot. Auch Algen und Bakterien, die an den Quellen leben, spielen eine Rolle für den Farbton. Je nachdem, ob sie die Pflanzenfarbstoffe Chlorophyll oder Karotin enthalten, verleihen sie den Quellen eine dunkelgrüne oder gelbbraune bis rötliche Farbe.

Trotz der hohen Temperaturen und der teils giftigen Mineralien gibt es auch im Quellwasser des Champagne Pool in Neuseeland Leben. Hitzeliebende Mikroorganismen besiedeln die Sinterkruste und ummanteln die Pflanzenreste, die in den Pool fallen.

Geowissenschaften Aus dem Fotoblog "Earth Talks"

Aus dem Fotoblog "Earth Talks"

Die Aufnahmen in diesem Text stammen aus dem Fotoblog "Earth Talks" von Bernhard Edmaier. Sie erscheinen hier in einer Kooperation. Mehr dazu auf www.bernhard-edmaier.de/blog