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Gefährlicher Darmkeim:Ehec-Bakterien stammen vermutlich aus Ägypten

Wissenschaftler der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit haben eine Verbindung zwischen den Ehec-Ausbrüchen in Deutschland und Frankreich entdeckt: In beiden Ländern spielten offenbar Bockshornkleesamen aus Ägypten eine Rolle. Möglicherweise wurden die Erreger aus Nordafrika eingeschleppt.

Markus C. Schulte von Drach

Bei der Suche nach dem Auslöser für die Ehec-Ausbrüche in Deutschland und Frankreich haben Experten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine neue Spur entdeckt.

Bundesinstitut bestaetigt aggressiven EHEC-Typ an Sprossen

Sprossen von Bockshornklee aus dem Betrieb der Gärtnerhof Bienenbüttel GmbH. Auf solchen Sprossen wurden die gefährlichen Ehec-Erreger gefunden. Möglicherweise wurden die Keime über Bockshornkleesamen aus Ägypten eingeführt.

(Foto: dapd)

Die Behörde im italienischen Parma hat zusammen mit Fachleuten des Europäischen Zentrums zur Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) in Stockholm die aktuellen Ehec-Ausbrüche analysiert. Demnach sind Bockshornkleesamen (Trigonella foenum-graecum; englisch: Fenugreek) aus Ägypten die "wahrscheinlichste Verbindung zwischen den Fällen in Frankreich und dem vorherigen Ausbruch in Deutschland".

In Deutschland sind seit Anfang Mai fast 4000 Menschen als Ehec-Patienten oder Fälle mit dem schweren HUS beim Robert-Koch-Institut gemeldet worden, 47 Personen sind aufgrund der Infektion gestorben. Die Zahl der Neuinfektionen hat inzwischen deutlich nachgelassen. In Frankreich waren im Raum Bordeaux zwischen dem 24. und dem 28. Juni fünfzehn Menschen an HUS oder blutigem Durchfall erkrankt. In mindestens drei Fällen wurde der in Deutschland aufgetauchte aggressive Bakterientyp Typ O104:H4 identifiziert.

Nachdem der Verdacht aufgekommen war, dass Sprossen die Überträger der Ehec-Bakterien sein könnten, hatten die europäischen Experten die Verbreitungswege der entsprechenden Produkte auf nationaler und europäischer Ebene untersucht.

Noch gebe es viele Unsicherheiten in Bezug auf die ägyptischen Bockshornkleesamen, heißt es in ihrem Bericht. Doch "insbesondere die Charge aus dem Jahr 2009 scheint mit dem Ausbruch in Frankreich in Verbindung zu stehen, und die von 2010 könnte im Zusammenhang mit dem Ausbruch in Deutschland stehen".

Nicht mit Sprossen aus ägyptischen Bockshornkleesamen lässt sich allerdings ein Ehec-Fall in Schweden erklären, wo insgesamt mehr als 50 Menschen erkrankt waren. Der Patient hatte sich weder in Deutschland aufgehalten noch Sprossen konsumiert.

Noch sind weitere Untersuchungen der Vertriebswege der Samen notwendig. So wurde von Ägypten aus auch eine Firma in Großbritannien beliefert, die Samen weiter nach Frankreich exportierte. Und wenn sich die Verbindung zwischen den Erkrankungen in Deutschland und Frankreich bestätigt, sind weitere Fälle innerhalb, aber auch außerhalb der EU zu erwarten.

Darüber hinaus werden Samen, aus denen Sprossen gezogen werden, häufig als Mischung verkauft, so dass während der Verpackungsprozesse eine Verunreinigung von Produkten, die nicht nur aus Bockshornkleesamen bestehen, möglich ist. "Deshalb sollte sich jede Empfehlung an die Verbraucher derzeit auf alle Samen und rohe Sprossen beziehen." Das bedeutet: "Sprossen sollten nicht für den Eigenkonsum gezogen und vor dem Verzehr immer ausreichend gekocht werden", stellen die Fachleute fest.

Die EFSA hat eine spezielle Taskforce eingerichtet, um die Herkunft der kontaminierten Sprossensamen in der EU aufzuspüren. Unterstützt wird sie neben den ECDC-Wissenschaftlern auch von Sachverständigen aus Frankreich, Deutschland, Italien und Großbritannien sowie der Weltgesundheitsorganisation WHO.

© sueddeutsche.de/liv
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