Fukushima Tepco leitet kein verstrahltes Wasser ins Meer

Die Betreiberfirma des havarierten Atomkraftwerks Fukushima hat nach Gesprächen mit Fischerei-Verbänden beschlossen, doch kein radioaktives Wasser ins Meer zu leiten. Das Unternehmen will versuchen, weitere Tanks zu bauen.

Der japanische AKW-Betreiber Tepco will nun doch kein kontaminiertes Wasser aus dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima ins Meer pumpen. Nach Gesprächen mit Fischerei-Verbänden habe sich Tepco gegen den jüngst vorgestellten Plan entschieden, wie eine Unternehmenssprecherin sagte.

Im havarierten Atomkraftwerk Fukushima Daichi gibt es Probleme, das verstrahlte Kühlwasser unterzubringen.

(Foto: dpa)

Tepco-Geschäftsführer Junichi Matsumoto zufolge werde das Unternehmen werde versuchen, weitere Tanks zu bauen und mehr Wasser aufzubereiten, um es zur Kühlung zu nutzen.

Tepco wollte im Frühjahr weniger stark belastetes Wasser ins Meer ablassen. Weil ständig Grundwasser in die Anlage fließe, müssten jeden Tag 200 bis 500 Tonnen Wasser aufgefangen und gelagert werden, hatte Tepco erklärt.

Tepco gingen die Lagermöglichkeiten langsam aus, die Speicherkapazitäten von 155.000 Tonnen könnten um März herum ausgeschöpft sein. Im April hatte Tepco bereits zehntausende Tonnen leicht verstrahltes Wasser abgelassen, um Platz für stärker kontaminiertes Wasser zu schaffen. Dieser Schritt wurde von Anrainerstaaten wie China und Südkorea scharf kritisiert.

Am Montag hatte Tepco mitgeteilt, nahe einer Aufbereitungsanlage für kontaminiertes Wasser seien etwa 150 Liter radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer geströmt. Das Wasser war den Angaben zufolge mit den radioaktiven Substanzen Cäsium 137 und Jod 131 durchsetzt. Es könnte zudem weitere gefährliche Materialien wie Strontium enthalten, das Knochenkrebs verursachen kann.

Fukushima-Direktor an Krebs erkrankt

Der ehemalige Direktor des havarierten japanischen Atomkraftwerks hat unterdessen öffentlich erklärt, dass er an Speiseröhrenkrebs erkrankt sei. Der 56-jährige Masao Yoshida, der Ende November aus gesundheitlichen Gründen von seinem Posten zurückgetreten war, habe bei einem Besuch der Anlage selbst darüber gesprochen, teilte die Betreiberfirma Tepco mit.

"Er sorgte sich um die Spekulationen in den Medien über seine Krankheit", sagte eine Sprecherin. Eigentlich habe er sich in Ruhe auf seine Behandlung konzentrieren wollen, dann aber doch entschieden, offen damit umzugehen, um die Gerüchte zu beenden.

Tepco zufolge ist es aber "extrem unwahrscheinlich", dass Yoshidas Krebserkrankung in direktem Zusammenhang mit der Atomkatastrophe in Fukushima steht. Sollte die direkte Aussetzung radioaktiver Strahlung überhaupt diese Krebsform auslösen, würde es mindestens fünf und im Durchschnitt normalerweise zehn Jahre dauern, bis er sich ausbreite, sagte die Tepco-Sprecherin unter Berufung auf Angaben von Ärzten. Ob Yoshida operiert worden sei und welche Behandlung er bekomme, sagte die Sprecherin nicht.

Yoshida hatte das Atomkraftwerk seit Juni 2010 und damit auch nach dem schweren Erdbeben und dem anschließenden Tsunami am 11. März geleitet. Damals waren mehrere Reaktoren der Anlage schwer beschädigt worden. Unter extremen Bedingungen koordinierte Yoshida die Aufräum- und Reparaturarbeiten an den Reaktoren, deren Brennstäbe teilweise schmolzen und große Mengen von Radioaktivität freisetzten.

Das Atomkraftwerk Fukushima war von einem Erdbeben und Tsunami am 11. März im Nordosten Japans schwer getroffen worden. Es kam zur schlimmsten Atomkatastrophe seit dem Unglück von Tschernobyl im Jahre 1986. Wegen der Strahlenbelastung mussten etwa 80.000 Menschen ihre Häuser in der Gegend um das Atomkraftwerk verlassen.