bedeckt München

Fossilienfund:Dino-Nachwuchs im natürlichen Brutkasten

Bereits Dinosaurier setzten in der Kreidezeit auf regenerative Energie. Sie vergruben ihre Eier in der Nähe von heißen Quellen, um die Erdwärme auszunutzen.

Manche Dinosaurier haben ihren Nachwuchs offenbar nicht nur fürsorglich betreut. Die Tiere nutzten auch die Erdwärme, um ihre Gelege unter optimalen Bedingungen anzulegen. Das berichten Wissenschaftler aus den USA und Argentinien.

Dinosaurier-Ei

Die Sauropoden-Eier aus dem Sanagasta-Tal haben eine ungewöhnlich dicke Schale und einen Durchmesser von ungefähr 20 Zentimetern.

(Foto: Gerald Grellet-Tinner)

Gerald Grellet-Tinner vom Field Museum in Chicago und sein Kollege Lucas Fiorelli vom CRILAR-Forschungszentrum in La Rioja haben im Sanagasta-Tal im Nordwesten Argentiniens 80 Dinosaurier-Gelege aus der Kreidezeit entdeckt.

Wie sie im Fachblatt Nature berichten, waren die Eier in der Nähe damals aktiver heißer Quellen - sogenannter Hydrothermalquellen - vergraben. Die Forscher vermuten, dass die Dinosaurierweibchen ihre Eier ganz gezielt dort gelegt hatten, um die Wärme dieser Quellen effektiv zu nutzen.

Auffällig ist die räumliche Anordnung der ungefähr 20 Zentimeter dicken Eier in den Dino-Nestern: Wie in Krokodilnestern lagen bis zwölf Eier in zwei Reihen übereinander. Die Wissenschaftler halten dies für einen deutlichen Hinweis darauf, dass die Eier in absichtlich ausgehobene Löcher gelegt wurden und nicht auf die Erdoberfläche.

Ungewöhnlich ist den Forschern zufolge die dicke Schale von etwa sieben Millimetern: Sie zeichnet sich durch ein gut entwickeltes Porensystem aus, das der Schale ein schwammartiges Aussehen verleiht. Dies weise auf eine Anpassung an die hydrothermalen Quellen hin, da eine solche Struktur typisch für eine Brutumgebung mit hohem Feuchtigkeitsgehalt sei.

Die dicke Schale, so vermuten die Experten, sollte den Embryo zudem vor dem säurehaltigen Boden schützen, der die Schale bis zum Schlüpfen des Dinos teilweise zersetzte.

Eine Analyse des Mineralgehalts in den Schalen half den Wissenschaftlern dabei, die Brutzeit sowie die Temperatur zu ermitteln, die in den unterirdischen Nestern herrschte. Der Dinosaurier-Nachwuchs entwickelte sich in seinem unterirdischen Erdwärme-Brutkasten wahrscheinlich über einen Zeitraum von ein bis zwei Monaten bei einer Umgebungstemperatur zwischen 60 und 100 Grad Celsius.

Derzeit vermuten die Forscher aufgrund der Schalenstruktur, dass die Eier von Sauropoden stammen, pflanzenfressenden Dinosauriern wie dem Apatosaurus oder dem Diplodocus. Nun hoffen sie darauf, in der Nähe der Brutstätten auch Dinosaurierknochen zu finden, um die Art bestimmen zu können.

Auch heute nutzen manche Tiere Erdwärme, um ihre Eier auszubrüten. So vergräbt beispielsweise das Pritchardhuhn auf der südpazifischen Vulkaninsel Niuafo'ou im Königreich Tonga seine Eier, um die vom Vulkan abgegebene Wärme zu nutzen.