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Klimawandel:Fossile Energie: Doppelt schädlich

Tagebau Garzweiler

Bereits beim Abbau von Kohle werden große Mengen Treibhausgas frei.

(Foto: dpa)
  • Die natürlichen Methan-Emissionen sind wahrscheinlich deutlich geringer als bisher angenommen.
  • Die vom Menschen verursachten Emissionen des starken Treibhausgases fallen demnach beträchtlich höher aus.
  • Das fanden Geologen heraus, indem sie Eisbohrkerne aus Grönland untersuchten.

Beim Abbau von Kohle, Öl und Gas werden offenbar deutlich größere Mengen des stark wirksamen Treibhausgases Methan frei als bisher angenommen. Das berichten Forscher um Benjamin Hmiel von der University of Rochester in den USA im Fachjournal Nature. Das Ergebnis bedeutet, dass es aus Klimaschutzsicht noch weit lohnender ist als angenommen, gegen die Methanemissionen aus der Nutzung fossiler Rohstoffe vorzugehen.

Methan wird frei, wenn Mikroben ohne Sauerstoff Pflanzenreste zersetzen, etwa in Feuchtgebieten. Der Mensch hat allerdings diesen natürlichen Emissionen weitere hinzugefügt. So werden auch in der Viehhaltung, im Reisanbau, auf Mülldeponien und in der Gas- und Ölgewinnung große Mengen Methan produziert. Anders als CO₂ verbleibt das Gas zwar nur etwa zehn Jahre in der Atmosphäre, über diese Zeit ist seine Treibhauswirkung aber mehr als hundertmal so stark wie die von CO₂.

Die neue Studie betone noch mehr, wie wichtig es sei, die Nutzung fossiler Brennstoffe schnell auslaufen zu lassen

Pro Jahr gelangen etwa 172 bis 195 Millionen Tonnen fossiles Methan in die Atmosphäre. Bislang war aber unklar, welcher Teil davon auf menschliche Aktivitäten zurückgeht und welcher geologischen Ursprungs ist, etwa aus natürlichen Methanquellen an Land oder im Meer oder aus Schlammvulkanen. Bisher wurde die Menge dieses geologischen Methans auf etwa 40 bis 60 Millionen Tonnen geschätzt. Hmiel und seine Kollegen konnten nun jedoch zeigen: Das ist um eine volle Größenordnung zu viel, eher dürften es nur 1,6 Millionen Tonnen sein. Entsprechend größer wäre der menschengemachte Beitrag aus dem Abbau vor allem von Öl und Gas, insbesondere etwa durch Fracking.

Für ihre Arbeit untersuchten die Wissenschaftler Eisbohrkerne aus Grönland. In dem Eis in der Tiefe ist der Methangehalt der Atmosphäre aus der Zeit vor der industriellen Revolution gespeichert, bevor menschengemachte fossile Emissionen hinzukamen. Anhand des Gehalts des radioaktiven Kohlenstoffisotops 14-C in dem im Eis abgelagerten Methan konnten die Forscher ermitteln, welcher Anteil des Methans damals fossilen Ursprungs war: Altes, fossiles Methan ist frei von 14-C, weil dieses Isotop darin bereits vollständig zerfallen ist. Neues aus Feuchtgebieten oder der Verbrennung von Biomasse hingegen enthält noch viel 14-C. So konnte das Team um Hmiel bestimmen, wie viel geologisches Methan damals in die Atmosphäre gelangte - bis heute, so die Forscher, dürfte sich daran nichts Wesentliches geändert haben.

Die neue Studie betone noch mehr, wie wichtig es sei, die Nutzung fossiler Brennstoffe schnell auslaufen zu lassen und auf erneuerbare Energiequellen umzusteigen, sagt Lena Höglund Isaksson vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg. Die neue Arbeit sei auch ein wichtiger Schritt auf dem Weg, das Rätsel der zunehmenden Methanemissionen zu lösen: Nachdem diese um die Jahrtausendwende stagniert hatten, steigen sie seit 2007 wieder rapide an, ohne dass sich ein klarer Grund ausmachen ließe.

© SZ vom 20.02.2020
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