Forschen in der Freizeit Offen sind für das Unerwartete

Hinzu kommt, dass Menschen offen sind für das Unerwartete. Manchmal werden sie daher mit Glücksfunden belohnt, wie zum Beispiel den grünen Erbsen: Grünliche Flecken, die einige Nutzer zufällig auf den Bildern entdeckt und im Forum des Galaxy Zoo zur Diskussion gestellt hatten, entpuppten sich als eine Klasse bislang unbekannter, besonders aktiver kleiner Galaxien.

Die Geschichte mit den grünen Erbsen demonstriert auch, welche methodische Qualität Laien liefern können. Sie sammelten Berichte von kosmischen Erbsenfunden, arbeiteten sich in die Auswertung von Spektren ein, erarbeiteten Kriterien, nach denen ein Objekt als Erbse gewertet werten sollte. Der Informatiker Christian Manteuffel, der eigentlich nur eine "interessante Freizeitbeschäftigung" für die Weihnachtsfeiertage gesucht hatte, opferte schließlich seine Sommerferien, um die Suche in der Datenbank zu systematisieren. Das selbst ernannte "Peas Corps" hatte schließlich 250 der geheimnisvollen Objekte ausfindig gemacht und beschrieben, als die Astrophysiker ernsthaft anfingen, sich mit diesen Funden auseinanderzusetzen. "Das war wunderbar", berichtet Lintott, "als wenn die halbe Veröffentlichung schon geschrieben wäre."

Er ist von den Bürgerwissenschaftlern derart überzeugt, dass er zusammen mit anderen eine Internet-Plattform gegründet hat, um Wissenschaftler und Bürger zusammen zu bringen - das Zooniverse. Jeder Forscher kann hier Projekte vorschlagen. Gerade diejenigen mit knappen Mitteln will die Gruppe unterstützen. Die nötige Infrastruktur, Software und Geld sind vorhanden, etwa sechs Programmierer arbeiten derzeit für das Projekt. Mehr als 350.000 Nutzer sind beim Zooniverse registriert und können jederzeit per Newsletter um Mithilfe gebeten werden.

So ist aus dem Galaxy Zoo inzwischen ein Großprojekt geworden, in dem die Grenze zwischen Wissenschaft und Unterhaltung verwischt. Fans können Tassen und T-Shirts erwerben; die ersten nicht-englischsprachigen Ausgaben des Galaxy Zoo sind online, seit kurzem auch eine in Deutsch. Hier können Bürger Planeten in fremden Sonnensystemen aufspüren oder Astronauten vor Strahlungsausbrüchen der Sonne warnen. Beim Projekt "Old Weather" kann sich jeder Internet-Nutzer einer virtuellen Schiffscrew anschließen und sich in Logbücher der Royal Navy aus dem ersten Weltkrieg vertiefen. Die enthalten wertvolle Wetterdaten, säuberlich verfasst in verschnörkelten, schwer entzifferbaren Handschriften - ein Fall für die Bürgerwissenschaftler.