Ehec: Suche nach Infektionsquelle Auf dem umgekehrten Weg

Wieso aber ist die Suche von den bekannten Ausbruchsorten wie Kantinen und Restaurants über die Angebote und Lieferscheine bisher vergeblich gewesen? "Da verliert sich die Spur vielleicht schon beim ersten Zwischenhändler", erklärt Gert Hahne vom Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Hannover. "Oder man stellt fest, der Händler hat das Produkt wiederum aus einem Großhandel, und der hat es von einem Produzenten, bei dem Sie aber keine Spur von Ehec finden."

Deshalb haben sich die Behörden in Niedersachsen auf dem umgekehrten Weg an eine mögliche Infektionsquelle herangearbeitet. "Wir haben vor etwa zwei Wochen begonnen, jeden niedersächsischen Gartenbaubetrieb zu beproben", sagt Hahne. "Gleichzeitig haben wir uns die Situationen in den Betrieben angeschaut. Vor etwa einer Woche sind die Kontrolleure in einem Betrieb in Bienenbüttel im Kreis Uelzen auf die Idee gekommen, dass Sprossen eine mögliche Infektionsquelle sein könnten. Die sind häufig im Salat, aber man erinnert sich vielleicht nicht daran."

Die Kontrolleure fanden zwar keine Ehec-Bakterien. Trotzdem überprüften sie in dem Betrieb die Papiere und stellten fest, dass es Handelsbeziehungen zu mehreren großen Ausbruchsorten in Norddeutschland gab. "Vielleicht hat der Betrieb vor drei Wochen von irgendwoher einem Sack mit Samen erhalten und Sprossen daraus gezüchtet", stellt Hahne fest.

So weisen nach Angaben des niedersächischen Landwirtschaftsministers Gert Lindemann etwa zwei Fälle in Cuxhaven Verbindungen zu dem Biohof auf. "Das sind Betroffene, die Produkte aus Bienenbüttel konsumiert haben", so Lindemann.

Für den Verdacht spricht auch, dass nach neuesten Erkenntnissen des Landesgesundheitsamtes mindestens zwei Mitarbeiterinnen des Unternehmens an Ehec erkrankt waren. Doch von hier aus dürfte sich die Spur kaum weiter zur ursprünglichen Quelle verfolgen lassen. Denn welches Ausgangsprodukt kontaminiert war, lässt sich nicht mehr feststellen.

Ob der Verdacht sich bestätigt, ist offen. Bislang waren alle untersuchten Sprossen-Proben aus dem Betrieb in Bienenbüttel Ehec-frei. Und möglicherweise werden auch keine Proben mit den Bakterien mehr gefunden. Denn es könnte sein, dass die verunreinigte Ware längst vollständig in den Handel gebracht und schon verbraucht wurde.

Führen demnach alle Spuren ins Nichts? Und hätte man nicht gleich viel mehr Patienten befragen sollen, um möglichst viele Informationen über das Essverhalten der Betroffenen zu erfahren? Diesen Vorwurf weist das Robert-Koch-Institut weit von sich. "Es ist nicht entscheidend, möglichst viele einzelne Menschen zu befragen, sondern Patientengruppen", erklärt Susanne Glasmacher vom RKI.

Damit rechtfertigt die Sprecherin des Instituts auch, dass nicht mehr als etwa 40 RKI-Experten ausgesandt wurden, um Patienten zu befragen. Die Strategie ist, dass man größere Ausbrüche untersucht, sowie solche unter besonderen Umständen - etwa in Reisegruppen oder unter Kantinenbesuchern. Dann wird mit den Patienten und mit möglichst vielen Kontrollpersonen gesprochen - in der Hoffnung, festzustellen, welche Nahrungsmittel die Betroffenen häufiger verzehrt haben als die Gesunden.

Trotzdem wurden außerdem noch Fragebögen an die Länder geschickt, die den Gesundheitsämtern zur Verfügung stehen. Von dort können Ärzte in den Kliniken sie beziehen, um einzelne Patienten zu befragen. "Wenn verschiedene Leute solche Befragung durchführen, ist es schwierig, die Ergebnisse auszuwerten", stellt Glasmacher fest. "Aber man wollte es zumindest probieren."

Tatsächlich sind auch nach der Abreise der RKI-Experten zum Beispiel in Hamburg die Mitarbeiter der Gesundheitsämter noch immer unterwegs, um Patienten und die Angehörigen ausführlich zu befragen. Herausgekommen ist dabei bislang nichts, was dem Verdacht gegenüber Salat, Gurken und Tomaten widersprechen würde.