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Dinosaurier:Fossiliensammler findet bei Ingolstadt bislang ältestes Archaeopteryx-Skelett

This is the geologically oldest, but most recently discovered specimen of Archaeopteryx. LUDWIG-MAXIMILIANS-UNIVERSITÄT MÜNCHEN
SPERRFRIST: 26.01.2018, 13.00 Uhr

Dieses Fossil eines Archaeopteryx hat ein Hobby-Sammler in einem Steinbruch bei Ingolstadt gefunden.

(Foto: O. Rauhut, LMU Munich)
  • Ein Fossiliensammler hat 2010 im Schamhauptener Steinbruch nahe Ingolstadt die Überreste eines Archaeopteryx gefunden.
  • Wie Münchner Forscher nun zeigen, handelt es sich um das geologisch bislang älteste Skelett eines der Urvögel.
  • Der Hobby-Sammler habe sich vorbildlich verhalten, loben die Wissenschaftler.

In einem Steinbruch nach Fossilien zu klopfen, ist ein wenig so, wie einen Lottoschein auszufüllen. Die Millionen einzustreichen, ist genauso unwahrscheinlich, wie zum Beispiel die Überreste eines Archaeopteryx im Gestein zu finden - jedoch treibt natürlich der Traum vom Hauptgewinn an und macht den Reiz aus. Und tatsächlich, es gibt immer wieder Menschen, die das große Los ziehen. Im Jahr 2010 gelang einem privaten Fossiliensammler in einem Steinbruch in Schamhaupten nahe Ingolstadt ein spektakulärer Fund. Der Mann entdeckte in den Platten des Solnhofener Jurakalks die fossilen Überreste eines Archaeopteryx. Das bestätigen Paläontologen um Oliver Rauhut von der LMU München, die das vogelähnliche Raubsaurier-Exemplar in einem Beitrag im Fachmagazin Peer J beschreiben.

Der neue Fund ist der geologisch bislang älteste Archaeopteryx. Die Schichten, in denen sich die Knochen befanden, sind etwa eine Million Jahre älter als das bei anderen Funden dieser gefiederten Raubsaurier der Fall war. Insgesamt handelt es sich um den elften Archaeopteryx - allerdings schreiben die Wissenschaftler um Rauhut in ihrer Publikation noch vom zwölften Exemplar. Der Archaeopteryx von Haarlem in den Niederlanden, der dort 1861 gefunden wurde, gilt mittlerweile gemeinhin nicht mehr als Raubsaurier dieser Gattung. Das hat Rauhut im vergangenen Jahr im Fachmagazin BMC Evolutionary Biology dargelegt. Dennoch taucht das Tier noch oft in den Zählungen auf.

Der Fossiliensammler, loben die Forscher ausdrücklich, habe sich vorbildlich verhalten

Der neu beschriebene Archaeopteryx aus Schamhaupten demonstriert, wie variabel die Gattung war. "Wir finden bei keinen zwei Exemplaren die gleichen Bezahnungsmuster", sagt Rauhut. Die Paläontologen werten das als Indiz, dass die vogelartigen Raubsaurier vielleicht wie die berühmten Darwinfinken von den Galapagos-Inseln zu betrachten seien. Deren unterschiedliche Schnabelformen waren durch die evolutionäre Anpassung der Tiere an verschiedene Futterquellen entstanden. "Vielleicht war es bei Archaeopteryx genauso", sagt Rauhut. Vor etwa 150 Millionen Jahren befand sich in der Gegend um die Fundorte der Tiere das sogenannte Solnhofener Archipel - eine Inselgruppe in einem Meer. Es ließe sich darüber spekulieren, so Rauhut, dass die Vorfahren des Archaeopteryx damals recht neue Einwanderer aus dem Osten gewesen waren, die sich auf den verschiedenen Inseln an verschiedene Nahrungsquellen anpassten und entsprechend unterschiedliche Zahnmuster entwickelten. "Aber das ist noch sehr spekulativ", sagt Rauhut.

Der Fossiliensammler, loben die Forscher ausdrücklich, habe sich vorbildlich verhalten. Zu Hause sei ihm rasch klar geworden, was er da gefunden hat. Statt selbst weiter zu präparieren, wandte er sich an die Wissenschaftler. Der Finder will anonym bleiben. Auch da ist die Lotto-Analogie zutreffend: Wer einen Hauptgewinn landet, stellt sein Leben auf den Kopf. Da ist es manchmal besser, das Geheimnis zu hüten.

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