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Wissenschaftspolitik:Forschungsgemeinschaft wählt Präsidentin

Am Mittwoch wurde mit der Gießener Biochemikerin Katja Becker erstmals eine Frau an die Spitze der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG gewählt.

Erstmals rückt eine Frau an die Spitze der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG): Am Mittwoch hat die Mitgliederversammlung der DFG die Biochemikerin und Medizinerin Katja Becker zur neuen Präsidentin gewählt. Sie tritt ihr neues Amt am 1. Januar 2020 für vier Jahre an.

Becker (54) ist seit 2014 DFG-Vizepräsidentin. Sie folgt auf den Germanisten und Mittelalter-Experten Peter Strohschneider, der nach zwei Amtsperioden turnusmäßig ausscheidet.Zur Wahl standen auch die Informatikerin Dorothea Wagner (Karlsruher Institut für Technologie) und der Ingenieur Wolfgang Marquardt.

Katja Becker

Katja Becker

(Foto: Franz Möller; DFG)

Becker wurde am 7. März 1965 in Heidelberg geboren, wo sie auch von 1984 an Humanmedizin studierte, 1991 promoviert wurde und sich 1996 für das Fach Biochemie habilitierte. Sie hat seit 2000 eine Professur für Biochemie und Molekularbiologie in Gießen inne.

Ihr wissenschaftliches Interesse gilt unter anderem der Medikamentenentwicklung gegen Tumor- und Infektionskrankheiten, insbesondere gegen die tropische Malaria. Für ihre Arbeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit der Carus-Medaille der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Rudolf-Leuckart-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Parasitologie.

Innerhalb der DFG ist Becker auch als Vorsitzende der Ständigen Senatskommission für Grundsatzfragen der Genforschung an führender Stelle engagiert. So hat sie an einer Stellungnahme verschiedener Wissenschaftsorganisationen zu "Chancen und Grenzen des Genome Editing" mitgewirkt, ebenso an der von DFG, Leopoldina und dem Deutschen Ethikrat vorangetriebenen Diskussion über eine neue Gentechnikdefinition. Zuletzt erarbeitete die Senatskommission unter Beckers Leitung eine Standortbestimmung zur Synthetischen Biologie und setzte sich mit der aktuellen Stellungnahme des Ethikrates zu "Eingriffen in die menschliche Keimbahn" auseinander.

"Katja Becker wird ab Januar eines der wichtigsten Ämter der deutschen Wissenschaftslandschaft bekleiden. Ich freue mich, dass die DFG eine so ausgezeichnete Wissenschaftlerin an ihre Spitze gewählt hat", sagte Leopoldina-Präsident Jörg Hacker. Becker ist seit 2009 Mitglied der Nationalakademie.

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