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Pandemie:Jetzt aber schnell

Coronavirus - Impfung von Wohnungslosen

Gleiche Wirkung wie bei Älteren: Erste Impfstudien zeigen eine hohe Wirksamkeit der Vakzine auch bei Kindern.

(Foto: Federico Gambarini/dpa)

Corona-Impfstoffe auch für Jüngere könnten in Europa jetzt schnell freigegeben werden. Das überrascht wohl selbst Fachleute.

Von Hanno Charisius

Es könnte jetzt sehr schnell gehen. Am Montag gab die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) in Amsterdam bekannt, dass man den Antrag der Impfstoffhersteller Biontech/Pfizer auf eine EU-Zulassung ihres Corona-Impfstoffes auch für Kinder ab zwölf Jahren prüfe. In der Mitteilung heißt es, die EMA werde den Antrag im Eilverfahren prüfen, bereits im Juni sei mit einem Ergebnis zu rechnen. Auch in den USA wurde die Erweiterung der Zulassung des Impfstoffs für jüngere Menschen beantragt. In Kanada wurden der Biontech-Impfstoff bereits am Mittwoch für Zwölf- bis 15-Jährige freigegeben. Laut Medienberichten erwartet Biontech-Chef Uğur Şahin schon im Juli erste Ergebnisse aus Studien mit Fünf- bis Zwölfjährigen. Im September könnten dann Resultate für noch jüngere Kinder vorliegen.

In einer Pressemitteilung hatte Pfizer Ende März verkündet, eine klinische Studie mit 12- bis 15-Jährigen in den USA habe eine Wirksamkeit von 100 Prozent gegen eine Covid-19-Infektion gezeigt. In der Kontrollgruppe waren von mehr als 1000 Versuchsteilnehmenden ohne Impfstoff 18 erkrankt, in der Impfgruppe hingegen niemand. In der Mitteilung hieß es, die Daten seien an die amerikanische Zulassungsbehörde FDA geleitet worden, um die bestehende Notfallzulassung in den USA für Menschen ab 16 Jahre anzupassen und zu erweitern. Laut einem Bericht der New York Times könnte die Erweiterung der Zulassung kommende Woche erfolgen.

Viele Fachleute sind von der rasanten Entwicklung überrascht. An Impfstoffe werden sehr hohe Maßstäbe in Hinsicht auf mögliche Schäden und ihren tatsächlichen Nutzen angelegt. Impfstoffe für Kinder müssen nochmals strengere Prüfungen bestehen, zumal wenn sie vor einer Krankheit schützen sollen, an der jüngere Menschen selten schwer erkranken. Allerdings wird kein gänzlich neuer Impfstoff für Kinder und Jugendliche entwickelt, sondern die bereits zugelassenen werden an deren Besonderheiten angepasst.

Dies gilt insbesondere für die richtige Dosis. Das Immunsystem von Kindern hatte nur wenig Zeit, sich an Krankheitserreger zu gewöhnen, und neigt dazu, sehr stark auf Impfstoffe zu reagieren. So zeigten auch die Kinder und Jugendlichen in der Pfizer-Studie sehr starke Immunantworten auf das Vakzin. Ihre Immunabwehr produzierte wesentlich mehr Antikörper gegen das Virus, als es in früheren Untersuchungen mit 16- bis 26-Jährigen der Fall war. Die Nebenwirkungen seien jedoch nicht schlimmer ausgefallen als in der älteren Gruppe, heißt es von Pfizer.

Auch wenn das allgemeine Risiko von Kindern, schwer durch eine Corona-Infektion zu erkranken, vergleichsweise gering ist, wäre eine Massenimpfung der jüngeren Altersgruppen aus Perspektive der öffentlichen Gesundheit wünschenswert. Nur wenn sehr viele Menschen gegen den Erreger immun sind, kann sich eine Gruppenimmunität einstellen, die Ausbrüche der Viren verhindert. Allerdings sind die Produktionskapazitäten für Impfstoffe noch immer begrenzt. Aktuell gibt es nicht einmal genug, um die ernsthafter gefährdeten Bevölkerungsgruppen zu schützen. Deshalb ist sehr wahrscheinlich, dass es bis in den späten Herbst dauern wird, ehe Kinder und Jugendliche in größerer Zahl geimpft werden. Vorrang sollten diejenigen unter ihnen haben, die durch Vorerkrankungen besonders gefährdet sind - sie profitieren am stärksten, wenn Impfstoffe auch für ihre Altersklasse hergestellt werden.

© SZ
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