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Coronavirus:Ob Chloroquin wirkt, ist unklar

Researchers set up new labs to help fight coronavirus at the University of Minnesota

An der University of Minnesota testen Forscher, ob Chloroquin gegen das Corona-Virus wirkt. Der Publikationsdruck zu Versuchsreihen ist hoch.

(Foto: REUTERS)

Experten warnen vor übereilten Publikationen zu Corona. Der hohe Publikationsdruck könnte zu Qualitätsverlust führen.

Die aktuelle Corona-Pandemie ist auch eine Pandemie der Fragezeichen. Noch sind viele Details um das neuartige Virus unklar, die Wissenschaft tappt bei zu vielen Fragen im Dunklen. Wie tödlich ist es tatsächlich, und, ganz wichtig, gibt es ein Medikament, das helfen könnte? Insbesondere die Forschung nach Wirkstoffen gegen Sars-CoV-2 steht weltweit unter Beobachtung - und unter hohem Druck. So bezeichnete US-Präsident Donald Trump das seit vielen Jahren als Malariamittel bekannte Chloroquin als ein "starkes Medikament" für die Behandlung von Covid-19-Patienten, das man nun schon bald einsetzen könnte. Wirklich?

Das Malaria-Medikament könnte helfen. Doch eine erste Studie ist zu schlecht, um belastbar zu sein

Tatsächlich gilt das Medikament als ein möglicher Kandidat im Kampf gegen die Corona-Pandemie, nachdem Tests mit Zellkulturen zeigen konnten, dass das Medikament auch das neuartige Coronavirus angreift. Nur: Der Weg von einer Laborstudie hin zum Menschen ist sehr weit. So weit, dass sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit voreiligen Jubelmeldungen lieber zurückhalten. Zwar behandeln Ärzte derzeit erste Covid-Patienten im Rahmen von klinischen Tests mit Chloroquin, unter anderem in Marseille. Doch die von dort nun publizierten Ergebnisse sind eher ernüchternd. Eine erste Publikation zum Chloroquin-Einsatz weist methodische Mängel auf, die Autoren verzichteten etwa darauf, die Patienten zufällig auszuwählen. Ob Chloroquin tatsächlich einen Effekt hat, kann diese Publikation daher schlecht beantworten, die Aussagekraft der Ergebnisse ist beschränkt.

Doch die Studie ist nun in der Welt - und damit steigt die Gefahr, dass die Daten fehlinterpretiert werden. Genau davor warnten bereits in der vergangenen Woche die leitenden Redakteure des renommierten Medizin-Fachblatts Jama. Sie sehen aktuell einen hohen Publikationsdruck zu Covid-19, der zu Qualitätseinbußen führen könnte. So seien allein in ihrer Redaktion seit Jahresbeginn Hunderte Manuskripte zur Pandemie eingegangen, darunter einige mit Mängeln, die einer wissenschaftlichen Publikation nicht gerecht werden.

"Wir erkennen die Bemühungen der Autoren an, Informationen zu Covid-19 schnell zu übermitteln", schreiben die Jama-Redakteure. Sie fordern jedoch alle Autoren auf zu klären, ob zum Beispiel über in einem eingereichten Manuskript erwähnte Patienten bereits in früheren Veröffentlichungen berichtet wurde. Andernfalls könne die Einschätzung der Krankheit und ihrer Auswirkungen empfindlich verfälscht werden.

© SZ vom 24.03.2020
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