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Botanik:Vorsicht Raupe!

Zwei Sojapflanzen, umgarnt von Teufelszwirn.

(Foto: Jingxiong Zhang)

Dass Pflanzen sich gegenseitig vor Schädlingen wie dem Asiatischen Baumwollwurm warnen, ist bekannt. Nicht gewusst haben Wissenschaftler bisher, dass sie eine Art pflanzliches Kabel benutzen, um sich die schlechte Nachricht zu überbringen.

Von Tina Baier

Der Teufelszwirn ist eine Art pflanzliche Zecke. Er saugt sich an anderen Gewächsen fest und entzieht ihnen Nährstoffe, die er zum Leben braucht. Anders als die Blutsauger befällt der Teufelszwirn aber immer mehrere Opfer gleichzeitig: die Pflanzen werden dadurch netzartig miteinander verbunden. Ein deutsch-chinesisches Forscherteam hat jetzt entdeckt, dass dieses Netz den befallenen Pflanzen nicht nur schadet, sondern auch nützt - indem sie darüber Informationen austauschen.

Wie die Botaniker in der Fachzeitschrift PNAS berichten, warnen sich beispielsweise Soja-Pflanzen mithilfe des Teufelszwirns vor tierischen Schädlingen, die an ihren Blättern nagen. Setzten die Wissenschaftler Raupen des Asiatischen Baumwollwurms auf eine Pflanze, die mit anderen über eine "Teufelszwirnbrücke" verbunden war, begannen alle vernetzten Sojas Abwehrproteine gegen die Raupen zu produzieren, auch diejenigen, die mit dem Baumwollwurm gar nicht in Kontakt gekommen waren. Die Forscher wiesen unter anderem eine erhöhte Aktivität des Trypsin-Proteinase-Inhibitors in den Blättern gewarnter Sojas nach. Wenn sie von Raupen angeknabbert werden, gelangt dieser in die Schädlinge und hemmt deren Verdauung. Der Baumwollwurm bekommt dadurch Mangelerscheinungen und wächst langsamer.

© SZ vom 26.07.2017
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