Bilder von Raumsonde Rosetta:So hüpfte "Philae" über den Kometen

Bevor der Roboter "Philae" auf dem Kometen einschlief, übertrug er mit letzter Energie wertvolle Messergebnisse an die Esa. Die Daten lassen Forscher jubeln.

Mithilfe der Raumsonde Rosetta ist es der Esa gelungen, die Landung des Minilabors Philae auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko zu rekonstruieren. Die Raumfahrtagentur veröffentlichte eine Bildsequenz, die den ersten Hüpfer von Philae nach dessen Berührung der Kometenoberfläche am vergangenen Mittwoch zeigt. Muttersonde Rosetta hatte die Aufnahmen zur Erde gefunkt; das Raumschiff umkreist den Kometen in einer Entfernung von etwa 15 Kilometern.

Bilder von Raumsonde Rosetta: So verlief Philaes Drift über den Kometen

So verlief Philaes Drift über den Kometen

(Foto: ESA/Rosetta/MPS)

Von 16.14 Uhr deutscher Zeit bis etwa 16.30 Uhr sank die Sonde demnach gleichmäßig zur Oberfläche und touchierte dann den Kometen erstmals. Von dieser als "Touchdown Point" markierten Stelle prallte die Sonde ab, da ihre Harpunen die Sonde nicht wie geplant am Boden verankerten. Auf einer Aufnahme von 16.43 Uhr ist die Sonde dann in eine Richtung abgedriftet - dieser Sprung dürfte noch etwa eineinhalb Stunden angedauert haben, bis Philae eine finale Ruhestelle erreichte.

Bevor die Energievorräte von Philae am Wochenende zur Neige gingen, empfingen die Forscher noch große Datenmengen von dem mit zehn Instrumenten bestückten Lander. "Jetzt wissen wir: Auf der harten Oberfläche, auf die Philae gehüpft ist, gab es nur zehn oder zwölf Zentimeter Staub", sagte der Leiter des Missionsbetriebs der Esa, Paolo Ferri, dem Radiosender HR-Info.

Philae habe enorm detailreiche Fotos von der Kometenoberfläche aufgenommen. "Ich habe Bilder gesehen, die aussehen wie Korallenriffe auf dem Meeresboden, unglaubliche Strukturen", sagte Ferri.

"Wir müssen durch den Kometen hindurch"

"Wir konnten allein sieben Stunden Daten während des Abstiegs von Philae empfangen", schwärmt der Elektrotechniker Peter Edenhofer von der Ruhr-Universität Bochum, der an dem Experiment "Consert" beteiligt ist. Dabei schickte Philae mit speziellen Antennen Radarsignale in Richtung des Kometen. Aus der Reflexion der Signale im Kometenkern möchten die Wissenschaftler Erkenntnisse über den inneren Aufbau ableiten. Anhand der Energieverluste bei der Reflexion ließen sich etwa Aushöhlungen oder verschiedene Schichten unter der Oberfläche erkennen, erläutert Edenhofer.

Ein zweiter Schritt sollte noch genauere Ergebnisse liefern. "Wir müssen durch den Kometen hindurch", sagt Edenhofer. Vom Boden aus sollte Philae Radarsignale durch den Kometen schicken, Raumsonde Rosetta sollte sie in der Umlaufbahn kreisend auf der gegenüberliegenden Seite wieder auffangen. Ob diese zweite Phase nach den Schwierigkeiten mit der Energieversorgung zuverlässige Daten geliefert hat, ist aber noch unklar. Mit ersten Ergebnissen rechnen die Forscher in zwei bis drei Monaten. Sie vermuten, dass die Zusammensetzung von Kometen sich in Milliarden Jahren kaum verändert hat, und daher Hinweise über die Entstehung des Sonnensystems birgt. Die Schweifsterne sollen vor allem aus Eis, gefrorenen Gasen und Staub bestehen.

67P ist rund vier Kilometer lang und rast derzeit auf die Sonne zu. Seinen sonnennächsten Punkt wird der Komet im August 2015 erreichen. Noch bis Dezember 2015 soll Rosetta den Kometen begleiten.

Anmerkung: In einer ersten Version des Artikels hieß es, Philae habe bereits um 16.43 Uhr seine letzte Position erreicht. Tatsächlich war der Hüpfer zu dieser Zeit noch in vollem Gange. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

© Süddeutsche.de/AFP/chrb/weis
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