Bienensterben Obstbauer muss wegen Insektizid-Einsatz in Haft

Das Pflanzenschutzmittel Chlorpyrifos ist wegen seiner stark toxischen Wirkung für Bienen in der Diskussion.

(Foto: dpa-tmn)

Ein Obstbauer aus Österreich soll mit Insektiziden den Tod von 800 000 Bienen verursacht haben.

Von Peter Münch

Vom Boulevard wird er der Bienenmörder genannt - nun ist ein Obstbauer aus Österreich wegen des massiven Einsatzes von Insektiziden zu einer Haftstrafe von zwölf Monaten verurteilt worden, vier davon soll er tatsächlich absitzen. Er hatte ein Mittel mit dem Wirkstoff Chlorpyrifos auf seine Bäume gesprüht und damit den Tod von 800 000 Bienen verursacht. Das Landesgericht Klagenfurt sprach zudem den zwei geschädigten Imkern einen Schadenersatz von insgesamt 20 300 Euro zu. Der Schaden für die Allgemeinheit sei aber noch wesentlich höher, hieß es. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht, der Bauer will in die Berufung gehen.

Vor Gericht hatte der frühere Obmann des Kärtner Landesobstbauverbandes den Tod der Bienen zwar bedauert, aber auf widrige Umstände verwiesen und auf unschuldig plädiert. Wegen frostbedingter Missernten im Vorjahr habe er sich keine weiteren Ausfälle durch Schädlingsbefall leisten können. Anders als von ihm dargestellt konnte ihm eine Gutachterin jedoch nachweisen, dass zum Zeitpunkt seiner Spitzaktion am 1. Mai 2017 die Obstbäume noch in Blüte standen. Entgegen der Vorschriften brachte er also das Gift auf, als die Bienen noch die Bäume anflogen.

Von der Europäischen Union ist Chlorpyrifos seit 2005 als Wirkstoff in Pflanzenschutzmittel zugelassen. Wegen seiner stark toxischen Wirkung ist es jedoch ebenso wie zum Beispiel das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat weltweit in der Diskussion. Pestizide gelten als einer der Auslöser für das seit Jahren beobachtete Bienensterben. Das jetzige Urteil gegen den Kärtner Obstbauern soll nach den Worten der Richterin "generalpräventive Wirkung" haben.

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