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Bericht zur Lage der Natur:"Es geht um den letzten Rest naturnaher Gebiete"

Insgesamt sind nur 28 Prozent der knapp 200 Landschaftstypen von Watt über Küstendünen, Bergseen, Felsen bis Moorwälder in einem guten Zustand - vor sechs Jahren war es noch gut ein Drittel. Der Anteil der Lebensräume in ungünstigem Zustand ist dagegen von 36 auf 39 Prozent gestiegen, und in schlechtem Zustand sind inzwischen 31 Prozent - statt 25 Prozent vor sechs Jahren.

Diese wenig rühmlichen Zahlen müssen nun nach Brüssel gemeldet werden. Begeisterungsstürme werden sie dort nicht gerade auslösen. Schließlich entfernt sich Deutschland damit weiter von dem EU-weit festgesetzten Ziel für das Jahr 2020: Dann sollten nämlich doppelt so viele Lebensraumtypen in gutem oder besserem Zustand sein als noch 2010, und 50 Prozent mehr Arten. Für Deutschland hieße das: Zwei Drittel der Lebensräume, drei Viertel der Vogelarten und die Hälfte aller anderen Arten müssten bis zum Jahr 2020 aus der Gefahrenzone gebracht werden. Der Trend geht allerdings genau in die andere Richtung.

"Es geht um den letzten Rest naturnaher Gebiete, den wir noch haben", sagt Konstantin Kreiser vom Naturschutzbund Nabu. "Sie müssen unbedingt geschützt werden." Der Nabu ruft nun wie auch andere Umweltverbände nach einer Naturschutzoffensive: mehr Geld, mehr Personal, mehr Förderung, mehr Einsatz, bevor es zu spät ist. "Wir haben in der EU das beste Naturschutzrecht der Welt", sagt Kreiser. Aber es müsse eben auch durchgesetzt werden. Und da hapere es, sogar in Deutschland: Die Länder setzten EU-Vorgaben zu zögerlich um und gingen lasch mit den Regeln um. "Selbst in Schutzgebieten wird immer wieder Grünland umgebrochen und zu Ackerland gemacht, ohne dass dafür Strafen verhängt werden, das darf nicht sein", sagt Kreiser. Auch müsse es für Bauern mehr Anreize geben, umweltfreundlich zu wirtschaften.

Für manche Schmetterlingsart, nur zum Beispiel, sieht es sonst hierzulande düster aus. Für den Goldenen Scheckenfalter etwa oder für den Blauschillernden Feuerfalter. "Jede Art im Gefüge ist wichtig", sagt Hendricks. "Da können wir nicht einfach sagen, wenn es keine roten Gummibärchen mehr gibt, essen wir eben gelbe."

© SZ vom 27.03.2014/chrb
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