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Asteroidenabwehr:Projekt "Armageddon"

Eines Tages wird ein gefährlich großer Felsbrocken Kurs auf die Erde nehmen und unsere Zivilisation bedrohen - das ist sicher. Unklar ist nur, wann es soweit ist. Europa, Russland und die USA haben nun ein beispielloses Forschungsprogramm zur Asteroidenabwehr gestartet, um darauf vorbereitet zu sein.

Der große Knall wird kommen. Irgendwann. Vielleicht dauert es noch 10.000 Jahre, vielleicht ist es schon im nächsten Winter so weit. Sicher ist nur, dass eines Tages ein großer Felsbrocken Kurs auf die Erde nehmen wird, dass er plötzlich auf Radarbildern auftaucht und die Zivilisation bedroht. Genauso sicher ist, dass die Menschen der Gefahr aus dem All ziemlich hilflos zuschauen werden - zumindest wenn sich nicht grundlegend etwas ändert.

A NASA artist's concept of a broken-up asteroid

So sieht es nach Vorstellung der Nasa aus, wenn ein Asteroid auseinanderbricht. Wissenschaftler aus Europa, Russland und den USA untersuchen, wie sich erdnahe Objekte aus der Bahn bringen lassen. Überlegt wird auch, dazu eine atomare Explosion auszulösen.

(Foto: Reuters)

Es gibt derzeit keinen internationalen Plan, wie wir mit der Bedrohung durch einen Asteroiden umgehen sollten", sagt Alan Harris, Planetenforscher am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. "Es gibt nicht einmal gemeinsame Überlegungen, wie wir seine Abwehr organisieren, vorbereiten oder umsetzen könnten." Harris, ein gebürtiger Brite, der seit fast 20 Jahren in Berlin forscht, will das ändern. In der vergangenen Woche hat er das bislang umfangreichste internationale Forschungsprogramm zur Asteroidenabwehr angeschoben.

Dreieinhalb Jahre lang wollen Wissenschaftler aus Europa, Russland und den USA erkunden, wie sich erdnahe Objekte (sogenannte NEOs, Near-Earth-Objects) aus der Bahn bringen lassen. Sie wollen Experimente starten, Abfang-Missionen konzipieren und der Politik eine Art Notfallplan an die Hand geben. Vier Millionen Euro macht die Europäische Kommission für das Projekt mit dem Namen "NEO-Shield" locker, weitere 1,8 Millionen steuern die 13 beteiligten Forschungseinrichtungen, Universitäten und Unternehmen bei.

Harris neigt dabei keineswegs zu Alarmismus. "Kein Mensch muss wegen eines Asteroiden schlaflose Nächte haben", sagt der NEO-Shield-Projektleiter. Das Risiko jedes Menschen, sein Leben durch einen Brocken aus dem All zu verlieren, liege grob geschätzt bei eins zu einer Million. Es gibt aber noch einen anderen Aspekt: "In einer dicht besiedelten und eng vernetzten Welt könnte schon ein relativ kleiner Asteroid verheerende Schäden anrichten", sagt Harris.

Statistisch rast alle paar hundert Jahre ein Himmelskörper mit einem Durchmesser zwischen zehn und 30 Meter auf die Erde zu. Im Jahr 1908 ging höchstwahrscheinlich solch ein Brocken über Sibirien nieder, explodierte mit der tausendfachen Sprengkraft der Hiroshima-Bombe und knickte in der Nähe des Flusses Tunguska mehr als 50 Millionen Bäume um. In Arizona hinterließ vor 50.000 Jahren ein Asteroid vergleichbarer Größe einen 1,2 Kilometer großen Krater. "In einer Stadt wäre solch ein Ereignis die totale Katastrophe, vielleicht sogar die schlimmste Naturkatastrophe, die die Menschheit je erlebt hat", sagt Harris. "Und so etwas kann passieren."

Etwa 8000 erdnahe Objekte sind derzeit bekannt. Keines von ihnen wird, so die aktuellen Berechnungen, in den kommenden hundert Jahren mit der Erde kollidieren. Allerdings entdecken Astronomen jeden Tag zwei neue vagabundierende Himmelskörper, meist in der Größe des Tunguska-Brockens. Letztlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis einer davon auf die Erde zusteuert. Und dann? "NEO-Shield wird uns zeigen, ob wir technologisch überhaupt in der Lage sind, die Welt zu retten", sagt DLR-Wissenschaftler Harris. Immerhin.

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