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Aliens:Empfang aus dem Weltall

Selbst wenn Abermilliarden Planeten existierten, auf denen sich Leben entwickeln kann, bedeutet das noch nicht zwingend, dass die Lebewesen dort intelligent und kommunikativ sind.

(Foto: AFP)

Was wäre, wenn Außerirdische uns kontaktieren, aber wir sie nicht hören? Mit 100 Millionen Dollar und den größten Radioteleskopen der Welt will Juri Milner das verhindern.

Von Alexander Stirn

Juri Borissowitsch Milner hat einen Alptraum: E. T. ruft an - und keiner geht ans Telefon. Oder, noch schlimmer, niemand auf der ganzen weiten Welt bekommt mit, dass der Außerirdische durchgeklingelt hat.

Milner, ein milliardenschwerer Internetinvestor, hat allerdings auch einen Traum. Mit Geld, mit viel Geld, will er sicherstellen, dass Signale fremder Zivilisationen nicht mehr unentdeckt bleiben. Hundert Millionen Dollar (etwa 94 Millionen Euro) hat der gebürtige Russe dafür lockergemacht und ein Projekt namens Breakthrough Listen ins Leben gerufen - einen globalen Lauschangriff auf Außerirdische. Vor wenigen Wochen haben sich zwei neue Riesenteleskope in das Abhörnetz eingegliedert. Die Suche überschreitet inzwischen nicht nur Kontinente, sondern auch Ideologien und politische Systeme.

Lange Zeit war das anders. Die Fahndung nach möglicherweise mitteilungsfreudigen Aliens erinnerte an den Versuch, ein Glas Meerwasser aus dem Ozean zu schöpfen und anhand des Inhalts auf die Existenz von Fischen zu schließen - ein aussichtsloses Unterfangen. "Breakthrough Listen wird viel mehr sein als ein Glas im Ozean, wir begegnen dem Problem mit einer völlig neuen Dimension an Technik", sagt Milner. "Gerade als Menschen sind wir verpflichtet zuzuhören, weiterzusuchen und die besten Geräte zu nutzen, um eine der größten aller Fragen zu beantworten: Sind wir allein?"

Die Aliens, nach denen Milner und seine Mitstreiter suchen, haben wenig gemein mit Hollywoodfiguren aus den Achtzigern. Es geht nicht um Außerirdische mit großem Herzen und noch größeren Augen, die eine Vorliebe fürs Telefonieren haben. Es geht um intelligente Zivilisationen in fernen Sonnensystemen, die entweder gezielt Kontakt suchen oder sich durch ihren Elektrosmog verraten - dem, was wir Erdlinge mit Fernsehsendern und Flughafenradaren abstrahlen. Riesige Radioteleskope sollen diese elektromagnetischen Wellen auffangen, schlaue Algorithmen sollen sie entdecken, Menschen wie Milner, der seine Milliarden mit Beteiligungen an Facebook und Twitter gemacht hat, wollen sich damit unsterblich machen.

Drei der weltweit größten Teleskope spannt Breakthrough Listen für die Suche nach extraterrestrischer Intelligenz ein. Das eindrucksvollste kam erst vor einigen Wochen hinzu: "Fast", Chinas neuer Stolz in der Radioastronomie. In den vergangenen fünf Jahren hat die Volksrepublik in der südwestlichen Provinz Guizhou die größte Radioschüssel der Welt gebaut. Eingebettet in eine natürliche Talsenke, besteht der 500-Meter-Wok aus 4450 reflektierenden Segmenten, die eine Fläche von 30 Fußballfeldern einnehmen. 160 Millionen Euro soll der Bau des Teleskops gekostet haben, mehr als 9000 Menschen mussten ihre Heimat wegen Fast verlassen.

Das bisher detaillierteste Bild des Nachthimmels hat soeben das auf Hawaii angesiedelte Pan-Starrs-Observatorium veröffentlicht.

(Foto: Danny Farrow, Pan-STARRS1 Science Consortium und Max Planck Institut für extraterrestrische Physik)

Die Zusammenarbeit mit Breakthrough Listen folgt einer Strategie. Durch Prestigeprojekte wie Fast erhofft sich die Volksrepublik jene Anerkennung, um die sich Chinas Wissenschaftler oft betrogen fühlen. Die Forscher versprechen sich positive Nachrichten, astronomische Durchbrüche, vielleicht sogar endlich einen Physik-Nobelpreis.

Aber auch ein paar Außerirdische, die mehr oder weniger zufällig entdeckt werden, wären herzlich willkommen. Und Präsident Xi Jinping fände sicherlich Gefallen daran, im Namen der Erde auf die erste Botschaft einer fremden Spezies antworten zu können. Theoretisch wäre das denkbar. "Fasts Möglichkeiten, außerirdische Zivilisationen zu entdecken, werden fünf- bis zehnmal so groß sein wie bei existierenden Teleskopen", sagt Projektmanager Peng Bo im Gespräch mit der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Ob und wie schnell es dazu kommen wird, ist allerdings offen. Breakthrough hat weder einen Zeitplan noch Details zur Zusammenarbeit mit Fast veröffentlicht. Bislang planten die chinesischen Teleskopbetreiber, ihre Riesenschüssel zunächst zwei bis drei Jahre zu testen und dann für ausländische Wissenschaftler zu öffnen. "Der Terminplan ist dicht, ich sehe in den nächsten Jahren keine Möglichkeit für die Suche nach Aliens", zitiert die in Hongkong erscheinende South China Morning Post einen der beteiligten Forscher. Gut möglich, dass Breakthrough lediglich die ohnehin empfangenen Daten abgreifen und darin nach Spuren von Aliens suchen wird.

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