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Archäologie:Geheimnis im Tal der Könige

Tutanchamun Pharao Tal der Könige Ägypten Grabmal Howard Carter

Howard Carter rollt das Leichentuch des Tutenchamun zurück, nachdem der er den Mumiensarg fand und mit zwei Flaschenzügen aus dem Sarkophag hob.

(Foto: SCHERL)
  • Der britische Archäologe Nicholas Reeves glaubt, dass im Grab von Tutenchamun unentdeckte Kammern liegen.
  • Dort vermutet er das Grab der ägyptischen Königin Nofretete.
  • Seine Hypothese will Reeves im November mit Radarmessungen bestätigen.

Das Geheimnis war nur von ein paar dünnen Schichten Gips und Wandmalereien verdeckt. Trotzdem hat es niemand erkannt - seit 1922, dem Jahr, in dem Howard Carter im Tal der Könige das unversehrte Grab des Tutenchamun entdeckte. Erst dem britischen Archäologen Christopher Reeves fielen im vergangenen Jahr Merkwürdigkeiten an den westlichen und nördlichen Wänden der Grabkammer des Kinderpharaos auf. Eine Kombination aus moderner Technologie, herkömmlichen Methoden und einer schon länger gehegten Theorie ließen ihn zu Thesen gelangen, die derzeit weltweit Aufmerksamkeit erregen.

Wenn Reeves recht haben sollte, liegen in dem Grab bislang unentdeckte Kammern hinter zugemauerten Zugängen verborgen, die seit mehr als 3000 Jahren unberührt geblieben sein müssten. Schon das, sagen Ägyptologen, wäre der wichtigste Fund seit der Entdeckung des Grabes. Reeves glaubt überdies, einer dieser möglichen Räume könne die Mumie der Nofretete bergen.

Reeves machte seine Entdeckung nicht etwa in der Grabkammer selber, sondern vom Schreibtisch aus: Die spanische-italienische Firma Factum Arte hatte die Wände des Grabs und ihre Bemalung mit einer Auflösung von 600 bis 800 dpi digital abfotografiert und - wichtiger für Reeves - mit einem dreidimensionalem Laserscanner digitale Reliefs erstellt. Eigentliches Ziel des Unterfangens: eine exakte Replika der Grabkammer, die neben Carters Haus in Theben-West errichtet wurde, um das Grab im Tal der Könige von den Touristen-Strömen zu entlasten. Doch stellte Factum Arte die Bilder und Daten Anfang 2014 im Internet auch der Forschung zur Verfügung. Für Archäologen war das so, als könnten sie tagelang mit der Lupe die Wände betrachten - und ihre Struktur ohne die Bemalungen.

Der Grundriss von Tuts Grab passt eigentlich nicht zu einem männlichen Herrscher

Das alleine hätte allerdings wohl nicht ausgereicht, um in Rillen, die in den Reliefs erkennbar sind, Hinweise auf verborgene Zugänge zu neuen Schätzen zu sehen. Reeves ist seit Langem überzeugt, dass Nofretete und andere Mitglieder der Königsfamilie im Tal der Könige bestattet wurden, nicht wie von vielen Archäologen vermutet in Tel al-Amarna, einst Hauptstadt des Pharaos Echnaton, 300 Kilometer weiter nördlich im Niltal bei Minya gelegen. Schon von 2000 bis 2002 hatte Reeves mit einem japanischen Experten per Bodenradar im Tal der Könige nach unentdeckten Gräbern gesucht und war dabei auf Anomalien gestoßen, die später als die Gräber KV 63 und KV 64 identifiziert wurden. Ein weiteres Grab, versteckt im Grab des Tutenchamun? Daran hatte zuvor niemand gedacht, auch weil niemand danach suchte.

Nofretete

Das Grab des Tutenchamun soll auf weitere Kammern untersucht werden. Ein britischer Archäologe vermutet dort die Mumie der Nofretete.

(Foto: Michael Sohn/dpa)

Zum anderen stützt sich Reeves auf eine vergleichende Analyse der Architektur. "Über den Grundriss des Grabes gibt es Diskussionen, seit es entdeckt wurde", sagt Daniel Polz, Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Kairo. "Es passt nicht in die bekannten Muster von Königsgräbern." Nach der Eingangstreppe und dem Korridor führt die Vorkammer im rechten Winkel nach rechts auf die Grabkammer zu - was eher zu einem Königinnengrab passt. Bei der Ruhestätte eines männlichen Herrschers wäre ein Knick nach links zu erwarten.