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Zwischen den Zahlen:Steuerflucht im All

Reisen in den Weltraum können auch ein Privatvergnügen sein - wie ein Gericht festgestellt hat. Wer demnächst von seiner Firma zur Raumstation geschickt wird, sollte aufpassen, dass der geldwerte Vorteil nicht astronomisch hoch wird.

Von Dieter Sürig

In Zeiten des Virus sind Videokonferenzen die neue Dienstreise. Wem dies nicht reicht, muss sich oft eine Genehmigung beim Chef holen. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat eigens ein Formular dafür aufgesetzt. Darin muss der Mitarbeiter glaubhaft darlegen, dass er für ein unaufschiebbares Projekt unterwegs ist oder aber Leib und Leben anderer von seiner Mission abhängen. Wobei das Marsrover-Team sein Fahrzeug auch seit Wochen aus dem Wohnzimmer steuern kann.

Ob die Astronauten Bob Behnken und Doug Hurley so einen Antrag ausfüllen mussten, bevor sie sich vor einer Woche zur Raumstation aufmachten, ist nicht bekannt. Sie haben es aber geschafft, sich aus dem Staub zu machen, bevor ihnen der notorische Masken-Ignorant Donald Trump zum Abschied die Hand geben konnte. Auch eine Covid-Vorsorge.

Womöglich werden sie einen solchen Antrag noch gebrauchen können, um ihre Fahrtkosten geltend zu machen. Charlie Duke, der 1972 mit Apollo 16 zum Mond gereist war, erhielt für seinen Trip aber nur einen Scheck über 14 Dollar. Für die elf Tage hätte es zwar 275 Dollar gegeben, davon zog die Nasa aber Verpflegung und Unterkunft ab. Von der Steuer konnte Duke da wohl auch nichts absetzen.

Der Kanadier Guy Laliberté, 60, jongliert da mit ganz anderen Zahlen. Der Gründer der Artistentruppe Cirque du Soleil flog 2009 mit den Russen für zehn Tage zur ISS - auf Firmenkosten. Dort angekommen, schaute er nicht nur staunend aus dem Fenster, sondern warb auch für ein Projekt. Das Finanzamt forderte dann von ihm, den 42-Millionen-Dollar-Trip zu versteuern - des geldwerten Vorteils wegen. Laliberté musste Millionen überweisen. Vor Gericht forderte er die Steuer zurück, da es sich um eine Dienstreise gehandelt habe. Das Finanzgericht legte den Geschäftsanteil der Reise dann allerdings auf lediglich zehn Prozent fest. Es trifft jedoch keinen Armen. Laut Forbes-Liste besitzt Laliberté immerhin 1,2 Milliarden Dollar.

© SZ vom 06.06.2020

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