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Zwischen den Zahlen:Sagenhaft

Na, sind Ihnen letztens auch Qualitätsverbesserungen "begegnet"? Wer ausreichend schwurbelt, darf fast alles verkaufen - auch "Energetisierungssteine".

Schön anzuschauen sind diese Edelsteine zwar, allerdings nicht viel wert. Letztlich glitzern da Bergkristall und Rosenquarz. Wobei - es gibt Leute, die anderes behaupten. Die den Mineralien besondere Kräfte zusprechen. Sie sollen Körper und Seele heilen und dem Menschen alles, was so aus der Bahn geraten ist, wieder zurechtrücken. Das ist zwar Humbug, oder wie es korrekt heißt: weder wissenschaftlich nachweisbar noch medizinisch anerkannt. Aber ein gutes Geschäft ist's allemal. Bei Tchibo gab es diese Woche "Energetisierungssteine" zu kaufen, Quarze eben, um "Edelsteinwasser" herzustellen. Weil bei derlei Geschwurbel über ausgedachte Energieströme jeder Physiker die Faust in der Tasche ballt (und falsche Heilungsversprechen sogar gefährlich werden können), gibt es Vorschriften, wie solche Produkte beworben werden dürfen. Grundsätzlich soll man nichts versprechen, was man nicht halten kann. Bei Tchibo kündigte man also zunächst an, die "heilende Wirkung von Edelsteinen" sei "seit Jahrhunderten bekannt" - wollte man die Steine im Online-Shop kaufen, stand da: "Wasser energetisieren und beleben sind Vorgehensweisen, die uns immer wieder im Zusammenhang mit der Qualitätsverbesserung von Trinkwasser begegnen." Dass es tatsächlich keinen nachweisbaren Unterschied macht, drei solcher Steine ins Glas plumpsen zu lassen (außer, dass dann weniger Wasser als vorher hineinpasst), darüber erfährt der Kunde nichts. Die Realität ist: Trotz aller Vorschriften lässt sich - entsprechend vorsichtig formuliert - fast alles verkaufen. Wie wäre es zum Beispiel mal mit Zauberstäben? Erzählungen über die wirkungsvollen Kräfte der handgefertigten Holzwerkstücke werden schließlich seit Generationen weitergereicht. Jedes Kind kennt einen Zauberspruch, und das kann ja kein Zufall sein. Nachweisbar ist Magie zwar nicht - aber probieren Sie es doch für 9,99 Euro mal selbst aus!

© SZ vom 31.08.2019
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