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Zwischen den Zahlen:Präsidenten-Präsent

Was schenkt man bloß einem Staatschef, der schon alles hat?Am besten kein Kamel. Die deutschen Amtsträger dürften es ohnehin nicht behalten, und am Ende könnte die Sache so ausgehen wie für das Tier, das Frankreichs Staatspräsident einmal geschenkt bekam.

Manch einer mag sich wundern über das Gastgeschenk, das Angela Merkel dem japanischen Kaiser Akihito überreichte: ein Faksimile der Matthäuspassion von Bach und eine Aufnahme von Beethovens 9. Sinfonie. Was soll das? Selbst ein 85-jähriger Monarch ist ja wohl in der Lage, eines der bekanntesten Klassik-Werke auf Youtube zu finden. Doch so ungewöhnlich ist das Präsent nicht.

Nicht nur, weil der Gastgeber ein Freund klassischer Musik ist, selbst Cello spielt und in der Familie gern musiziert. Sondern auch, weil es bei Besuchen hoher Amtsträger im Ausland üblich ist, Kulturgut (im weitesten Sinne) aus der Heimat mitzubringen. Merkel schenkt ganz gern Meißner Porzellan und deutsche Klassiker von Hölderlin oder eben Beethoven. Zum Glück gibt es davon genug, sodass es bis zum Ende ihrer Amtszeit reichen dürfte. Manchmal verteilt sie aber auch persönliche Präsente: Nicolas Sarkozy bekam einen Teddybären, kurz nach der Geburt seines Kindes, die Obamas erhielten aus irgendwelchen Gründen eine Schwimmbrille. Doch es gibt noch deutlich schrägere Mitbringsel: Emmanuel Macron setzte Donald Trump im vergangenen Jahr eine junge Eiche von einem Gefechtsschauplatz aus dem Ersten Weltkrieg vor die Tür, Merkel bekam bereits einen Miniatur-Stöckelschuh, ein Deutschlandtrikot und Räucherfisch.

Die Frage bei all den Gaben ist natürlich: Wohin mit dem Kram? Die meisten Geschenke gehören den Politikern nicht persönlich, sondern dem Land. Was mehr als 25 Euro Wert ist, müssen sie in der Regel abgeben. Vieles steht dann in den Regierungsgebäuden oder in Ausstellungen herum - oder kommt unter den Hammer. Die Bundesregierung versteigert regelmäßig all die geschenkten Uhren und Teeunterlagen, die Manschettenknöpfe und Krummdolche.

Schwieriger wird es bei Lebendigem: Heinrich Lübke bekam als Bundespräsident bei seinen Afrikareisen des öfteren Löwen, Affen und Geparden vorgesetzt. Die landeten letztendlich in deutschen Zoos. Was dagegen aus den Hunden geworden ist, die der russische Präsident Wladimir Putin immer wieder von ausländischen Besuchern geschenkt bekommen hat, ist nicht bekannt. Man kann nur hoffen, nicht das gleiche wie aus dem Kamel, das François Hollande 2013 von seinem Amtskollegen aus Mali erhielt - nämlich Eintopf.

© SZ vom 09.02.2019

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