Zugverkehr Bahn will Zehntausende neue Mitarbeiter einstellen

Auszubildende Gleisbauer der Bahn in Hamburg (Archivbild)

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Die Bahnführung hat Bundesverkehrminister Scheuer erklärt, wie der Konzern aus der Krise kommen will.
  • Zehntausende neue Mitarbeiter sollen eingestellt werden.
  • Auf besonders stark befahrenen Strecken sollen Engpässe durch ein besseres Management verringert werden.
Von Markus Balser, Berlin

Beim zweiten Krisentreffen innerhalb von zwei Tagen hat die Deutsche Bahn ein Paket von Plänen für mehr Pünktlichkeit vorgelegt. Der Staatskonzern will in diesem Jahr demnach deutlich mehr Mitarbeiter einstellen als bislang geplant. "Wir stellen zusätzliches Personal ein und bauen Qualifizierung aus", heißt es in einem Eckpunktepapier der Bahn.

Geplant seien 22 000 Neueinstellungen in diesem Jahr. Gegenüber den bisherigen Planungen seien das rund 9000 mehr, teilte der Konzern mit. Das betreffe vor allem das für den Betrieb kritische Personal wie Lokführer, Fahrdienstleiter und Instandhalter. Zusätzlich baue der Konzern die Ausbildungskapazitäten für wichtige Funktionen um 1000 aus.

Ganz neu ist das Ausbauprogramm allerdings nicht. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Konzern 24 000 Mitarbeiter eingestellt. Dem Aufsichtsrat hatte der Bahn-Vorstand bereits im vergangenen Jahr signalisiert, dass auch in diesem Jahr rund 20 000 zusätzliche Mitarbeiter gebraucht würden.

Diese Pläne wurden nun erneut etwas nach oben korrigiert. Allerdings dürfte es nicht leicht werden, auf dem leer gefegten Arbeitsmarkt tatsächlich so viele zusätzliche Beschäftigte anzuwerben. Personal zu finden, werde immer schwerer, glaubt Alexander Kirchner, Aufsichtsrats-Vizechef der Deutschen Bahn. Oft müssten neue Kräfte noch ausgebildet werden. Das dauert in einzelnen Mangelberufen mehrere Jahre.

Verbesserungen für neuralgische Knoten

Konzentrieren will sich die Bahn zudem auf Verbesserungen in Engpass-Regionen. An den neuralgischen Knoten werde man den Zugverkehr besser organisieren, erklärte die Bahn. Dazu zählen die Strecken Dortmund - Köln, Würzburg - Nürnberg und die Region um Hamburg. Allerdings wird dies in den Engpässen nach Plänen der Bahn die Pünktlichkeit von 75 Prozent aller Fernzüge im laufenden Jahr lediglich um 0,6 Prozentpunkte erhöhen. Insgesamt soll sich die Pünktlichkeit des Fernverkehrs im Jahr 2019 um 1,6 Prozentpunkte auf 76,5 Prozent erhöhen. Eigentlich waren für dieses Jahr 82 Prozent geplant.

Bahn-Chef Richard Lutz sprach am Morgen von gewaltigen Herausforderungen: Die Nutzung des Netzes habe seit der Bahn-Reform 1994 um 50 Prozent zugenommen. Jahr für Jahr verzeichne der Konzern Passagierrekorde. Nun komme die Bahn an ihre Grenzen. "Wir brauchen mehr Kapazitäten, um die Verkehre von heute und morgen zu bewältigen", sagte Lutz. Man gehen den Ausbau entschlossen an - im Netz, mit neuen Zügen und mehr Mitarbeitern.

Als Problem hat die Bahn vor allem die Instandhaltung ausgemacht. Derzeit bleibt in den Werken kaum Zeit, die Züge auf alle Fehler zu prüfen und die auch zu beseitigen. An zentralen Stellen wie den ICE-Werken Hamburg und Köln wolle die Bahn 200 zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Künftig sollten damit täglich mindestens 225 ICE bereitstehen - fünf Prozent mehr als bisher.

Scheuer dämpfte nach dem Treffen Erwartungen. Die Pünktlichkeit der Züge könne nicht so schnell von 75 auf 95 Prozent gesteigert werden, weil es Kapazitätsengpässe gebe. Der Minister kündigte ein erneutes Treffen mit der Führung des bundeseigenen Konzerns um Vorstandschef Richard Lutz für den 30. Januar an. Dann solle es um die Finanzierung der Bahn sowie Strukturen des Konzerns gehen. "Wir haben den politischen Willen, in die Infrastruktur massiv zu investieren", sagte Scheuer. Die Bahn ist hoch verschuldet und braucht zusätzliche Milliarden, etwa für die Modernisierung der Flotte und des Netzes.

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