Wo der Clan zu Hause ist Das Porsche-Land

Zell am See im österreichischen Pinzgau ist die Heimat der Autobauerdynastie Porsche. Von Machtkämpfen will man hier nichts wissen.

Von Michael Kuntz

Den rustikalen Holztresen der Rezeption von Schloss Prielau ziert eine weiße Blumenvase. Auf ihr steht das Wort "Heiterkeit". Heiter geht es zu hier in Zell am See in dem historischen Hotel. Es gehört Wolfgang Porsche - es zählt wie so vieles im österreichischen Pinzgau zum Vermögen der Unternehmerfamilien Porsche und Piëch.

Schloss Prielau: Es gehört Wolfgang Porsche

(Foto: Foto: oH)

Der Pinzgau ist Porsche-Land. Hier geben die knapp sechzig Mitglieder des Clans viel von dem Geld aus, das sie als Eigentümer aller Stammaktien der Sportwagenfirma verdient haben. Oder das die Beteiligung von knapp 51 Prozent an VW abwirft. Oder das beim Salzburger Handelshaus Porsche Holding übrig bleibt, einem der wichtigsten Abnehmer von Autos aus dem VW-Konzern mit Stützpunkten in halb Osteuropa.

Überall wird Geld verdient

Die Familie Porsche schüttet nicht nur Dividenden in den Pinzgau - in der Gebirgslandschaft verdient sie auch Geld, und zwar zu Lande, auf dem Wasser und in der Luft. Die Schmittenhöhebahn, die den Porsches gehört, betreibt 27 Bergbahnen und Skilifte, und auch die Schifffahrt samt dem futuristischen Bootshaus für das Flaggschiff MS Schmittenhöhe gehört dazu. Hans-Michel Piëch ist an der Pinzgau-Milch beteiligt. Die Kreativen des Porsche Design Studios entwickeln in einem Gewerbegebiet ihre Ideen. Zum Besitz gehören Land- und Forstwirtschaft ebenso wie der Flughafen in Zell am See.

Durch den Kauf des Flughafens befreiten die Porsches die Kommune aus einer Finanznot. Diese Investition erwies sich als ziemlich glücklich, denn auf dem Areal ließ sich noch ein Gewerbegebiet unterbringen. Passagiere erhaschen bei der Landung auf der 660 Meter langen Asphaltpiste einen Blick auf das neue Autohaus mit den Hauptmarken des Imperiums. Zur Mittagspause gehen junge Monteure in blauen Overalls aus der Porsche-Werkstatt nach nebenan zu McDonald's.

Clanchef Wolfgang Porsche schätzt es gepflegter - für gewöhnlich speist er im Sterne-Restaurant, das der Witzigmann-Schüler Andreas Mayer in Schloss Prielau betreibt. Wolfgang Porsche hat das rustikale Anwesen mit Kirche, in dem einst der Wiener Poet Hugo von Hofmannsthal lebte, 1987 erworben und selbst einige Jahre hier gewohnt. Das Schlosshotel am Nordufer des Sees kann man heute auch als Ganzes für 2400 Euro pro Nacht mieten, Frühstück inklusive.

Heiter ist es auf Schloss Prielau. Der Gast hat die Wahl zwischen zwei Holzherzen, die er mit Lederbändchen an die Zimmertür hängen kann. "Ich genieße mein Zimmer noch" steht auf dem einen, "Hund im Zimmer!" auf dem anderen. In der Minibar lagern 14 Fläschchen Hochprozentiges. Im leicht versumpften Garten schwimmt auf einem Holzboden ein "Stammtisch der Freunde und Barzahler der Schnapsbrennerei S. Herzog". Von hier schweift der Blick über die Wiese zu einer lebensgroßen Venus. Auf ihrem Metallkörper ließen dem Vernehmen nach besonders ausgelassene Gäste schon Butterflocken in der Sonne schmelzen, was die nackte Dame glänzen lässt.

Das heitere Prielau ist offenbar ein angenehmer Ort für angenehme Menschen, die mit kleinen Scherzen für gute Stimmung sorgen, ohne gleich die Contenance zu verlieren. Schlossherr Porsche übersiedelte vor ein paar Jahren ans Südufer des Sees in den Zeller Ortsteil Schüttdorf. Dort liegt oberhalb eines 5111 Meter langen Straßentunnels das Schüttgut, der Stammsitz der Familie, an dem nach dem Zweiten Weltkrieg die ersten Sportwagen der Marke Porsche verschraubt wurden. Auch hier scheint man gut leben zu können, wie einer Fachpublikation für Luxus zu entnehmen ist. Ihr hat Wolfgang Porsche einen Blick in sein Zuhause auf dem Schüttgut gestattet: "Verstärkt wird die angenehme Architektur durch die Absenkung eines Teils des Fußbodens in der Mitte des Wohnzimmers." Für den Hausherrn sind das Schüttgut und Zell am See seine "Heimatgegend". Er sagt: "Auch wenn ich in München wohne, so fühle ich mich hier doch am wohlsten."

Das dürfte zur Zeit besonders stark der Fall sein, denn in München und am Firmensitz Stuttgart muss sich der Aufsichtsratsvorsitzende von Porsche um unangenehme Dinge kümmern. Den Schuldenberg etwa, den sein Vorstandsvorsitzender Wendelin Wiedeking und dessen Finanzchef Holger Härter bei der Übernahme von Volkswagen anhäuften. Wie sonst der Vatikan während einer Grippe des Papstes lässt die Sportwagenfirma seit Monaten nahezu täglich wissen, man befinde sich auf dem Wege der Besserung. Offiziell wird nur ein Kredit von zwei Milliarden Euro benötigt. Vor der Finanzkrise hätten die Banken sich darum gerissen, aushelfen zu dürfen. Nun aber ist alles anders. Finstere Mächte aus Deutschlands Norden wollen die Firma Porsche dem Einfluss der Familien entreißen und sie VW einverleiben.

"Der Mann ist lange unterschätzt worden"

Das kann einer wie Wolfgang Porsche nicht goutieren. Er hat keine Lust, demnächst VW oder den Emir von Katar um Erlaubnis fragen zu müssen, wie mit dem Familienvermögen zu verfahren sei. Noch sperrt sich der Großbesitzer aus dem Pinzgau gegen den drohenden Machtverlust. Porsche stützt Wiedeking und Härter. Die arbeiten angeblich heftig an der Lösung des Problems.

Wolfgang Porsche, 66, ist entweder Teil der Lösung oder des Problems. "Der Mann ist lange unterschätzt worden", sagt jemand, der ihn seit vielen Jahren beruflich begleitet. Porsche gehörte zwei Jahrzehnte dem Aufsichtsrat an, dem er heute vorsteht. In der Öffentlichkeit fiel er mehr als Partygänger mit Filmproduzentin auf. Dabei arbeitete "WoPo" einige Jahre bei Daimler, er war Importeur von Yamaha-Motorrädern in Österreich. In Stuttgart ist Herr Porsche bestens verdrahtet in den Führungszirkeln von Wirtschaft und Politik. Oldtimer-Rallyes mit Porsche-Fahrern und der Almabtrieb mit 140 Rindern sind Pflichttermine für ihn. Das Manager Magazin nannte Wolfgang Porsche boshaft einen "charmanten Possenreißer". Doch jetzt ist die Zeit der Heiterkeit vorbei. Die 400000 Arbeitnehmer im größten deutschen Industriekonglomerat wollen wissen, wie es weitergeht. Doch Wolfgang Porsche hüllt sich in Schweigen.

Der am besten verborgene Besitz der Porsches im Pinzgau ist übrigens die Porsche-Alm. Die Gemeinde Taxenbach hat sie nicht in ihre Rad- und Wanderkarte eingezeichnet, und in der Touristeninformation kennt sie keiner. Der Weg zur Porsche Alm ins hintere Wolfbachtal endet vier Kilometer vorher an einer Schranke im Forst. Neben der abgeschiedenen Berghütte seien nur Rindviecher anzutreffen, berichten Einheimische - Wendelin Wiedeking oder Geldboten aus Katar wurden hier noch nicht gesehen.

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