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Volkswagen:Winterkorn zahlt 11,2 Millionen Euro

Martin Winterkorn

Martin Winterkorn hat in Stuttgart Metallkunde studiert und fing 1981 bei der VW-Tochter Audi an, wurde 2002 Firmenchef. Von 2007 bis 2015 war er dann Vorstandsvorsitzender des VW-Konzerns.

(Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Volkswagen schließt einen Vergleich mit dem ehemaligen Vorstandschef und weiteren Managern. Doch gleichzeitig gibt es neuen Ärger: Die Berliner Staatsanwaltschaft klagt an - wegen uneidlicher Falschaussage.

Von Caspar Busse, München

Lange wurde verhandelt, es ging hin und her. Jetzt hat der Aufsichtsrat von Volkswagen eine Einigung mit dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn und anderen ehemaligen Vorstandsmitgliedern im Dieselskandal gebilligt. Winterkorn zahlt die Rekordsumme von 11,2 Millionen Euro, auf den ehemaligen Audi-Chef Rupert Stadler, der derzeit in München vor Gericht steht, entfallen 4,1 Millionen Euro, teilte der Autokonzern aus Wolfsburg mit. Die ehemaligen Entwicklungsvorstände von Audi und Porsche, Stefan Knirsch und Wolfgang Hatz, hätten sich bereit erklärt, eine Million beziehungsweise 1,5 Millionen Euro zu zahlen. Dagegen sei der frühere Audi-Technikvorstand Ulrich Hackenberg nicht zu einer Einigung bereit gewesen. Gegen ihn will Volkswagen nun gerichtliche Schritte einleiten.

Ursprünglich hatte VW eine Milliarde Euro Schadenersatz von Winterkorn gefordert, bei Stadler kamen die VW-Anwälte auf mehrere hundert Millionen Euro. Dem gefundenen Vergleich müssen noch die Aktionäre auf der Hauptversammlung am 22. Juli zustimmen. Gleichzeitig soll VW 270 Millionen Euro von der Haftpflichtversicherung (D&O), die der Konzern für seine Top-Manager abgeschlossen hat, erhalten. Die vereinbarte Summe ist die mit Abstand höchste, die ein solches Konsortium (das in diesem Fall aus mehr als 30 Versicherungen besteht) bisher gezahlt hat.

Winterkorn war von 2007 bis 2015 Vorstandsvorsitzender des größten europäischen Autoherstellers, dann stürzte er über den Skandal um gefälschte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen. Bisher hat die Wiedergutmachung VW mehr als 3o Milliarden Euro gekostet, vor allem Strafen und Schadensersatzzahlungen in den USA. Weitere Belastungen sind nicht ausgeschlossen, der Imageschaden ist zudem beträchtlich.

Es geht auch um eine mögliche Falschaussage als Zeuge

Die Sache ist für Winterkorn, 74, der gesundheitlich angeschlagen sein soll und bisher jede Schuld von sich weist, damit aber noch lange nicht aus der Welt. Er hat vielmehr weiteren Ärgern. Am Mittwoch wurde nämlich auch bekannt, dass die Berliner Staatsanwaltschaft ihn wegen uneidlicher Falschaussage vor dem Abgas-Untersuchungsausschuss des Bundestags anklagt. Ihm werde zur Last gelegt, am 19. Januar 2017 als Zeuge vor dem Ausschuss falsch ausgesagt zu haben, teilte die Anklagebehörde mit. Als VW-Chef soll er bewusst falsche Angaben gemacht haben, zu welchem Zeitpunkt er über den Einsatz einer Software zur Erkennung und Manipulation der Abgaswerte im Testbetrieb unterrichtet worden sei.

Winterkorn muss sich demnächst auch vor dem Landgericht Braunschweig wegen des Dieselskandals verantworten. Der Diesel-Betrugsprozess soll im September losgehen, dort soll geklärt werden, wann Winterkorn was wusste. Insgesamt sind mehr als 130 Verhandlungstage angesetzt. Vom Ausgang dieses Verfahrens dürfte dann abhängen, wie es in Berlin weitergeht. Winterkorn selbst beharrt darauf, dass er erst nach dem Auffliegen des Skandals davon erfahren hat.

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