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Instagram-Skandal:VW zieht Konsequenzen aus rassistischem Werbeclip

Ein kaputtes Logo von Volkswagen VW aufgenommen in Niesky 14 04 2019 Niesky Deutschland *** A b

Rassistischer Werbeclip: VW räumt vorsichtig "Versäumnisse bei der Sensibilisierung" der Mitarbeiter ein.

(Foto: imago images / photothek)

Eine weiße Hand, die einen dunkelhäutigen Mann umherstößt? Damit auf diese Weise nicht mehr geworben wird, will sich der Autohersteller Hilfe holen.

Volkswagen will Konsequenzen aus dem Skandal um ein rassistisches Werbevideo ziehen. Das kündigte der Konzern am Donnerstag in einem Gespräch mit Journalisten an. Es gebe offenbar "Versäumnisse bei der Sensibilisierung" der Mitarbeiter, sagte der VW-Markenvorstand für Vertrieb und Marketing, Jürgen Stackmann. Man müsse sich auf jeden Fall "mangelnde interkulturelle Sensibilität" vorwerfen lassen.

In dem Video, das über die Social-Media-Kanäle des Konzerns ausgespielt wurde, ist zu sehen, wie eine überdimensionale weiße Hand einen Mann mit dunkler Haut umherschubst. Am Ende wird er in Richtung eines Cafés gestoßen, das "Petit Colon" heißt, was man als Anspielung auf den Kolonialismus verstehen kann. Bei der Einblendung "Der neue Golf" laufen die Buchstaben zudem so ins Bild, dass kurzfristig ein rassistisches Schimpfwort auf dem Bildschirm zu sehen ist. Marketingchef Jochen Sengpiehl sagte, auch er habe zunächst nicht glauben können, dass das alles Zufälle seien.

Die interne Untersuchung habe aber ergeben, dass es weder bei der Werbeagentur noch bei VW rassistische Intentionen gegeben habe - der Schriftzug etwa sei computerbasiert erstellt worden, die unglückliche Anordnung niemandem aufgefallen. Der Spot sei zudem einer von mehreren gewesen, die einen dunkelhäutigen Mann und seine spanische Freundin zeigen sollten. Mit der Auswahl der Protagonisten habe man eigentlich besonders auf "Diversity" achten und ein Signal für Toleranz und Vielfalt senden wollen, hieß es. Stackmann: "Aber das eine ist die Intention des Senders, das andere ist, was beim Empfänger ankommt." Es sei absolut nachvollziehbar, dass das Video als rassistisch empfunden werde.

Versagen von Kontrollmechanismen

Auffällig: Als das Video zunächst auf Stackmanns persönlichem Twitter-Account gepostet wurde, äußerten Nutzer bereits Kritik, das Video wurde daraufhin gelöscht. Davon sei die Marketingabteilung auch informiert worden, hieß es - dennoch wurde der gleiche Clip zehn Tage später bei Instagram gespielt, wo er zahlreiche negative Reaktionen auslöste.

Viele interne Anläufe und Kontrollmechanismen hätten offensichtlich nicht funktioniert, hieß es nun in Wolfsburg. Dennoch soll es keine personellen Konsequenzen geben. Marketingchef Sengpiehl, über dessen Ablösung spekuliert worden war, bleibt im Amt. Es dürfe kein Bauernopfer geben, sagte Hiltrud Werner, Konzernvorständin für Integrität und Recht. Stattdessen müsse man Maßnahmen ergreifen, um ähnliche Fehler in Zukunft zu verhindern.

Unter anderem will VW ein unabhängiges "Ethik Board" einrichten, das alle Werbebotschaften auf problematische Aspekte hin prüfen soll. Man sei dazu auch im Gespräch mit verschiedenen NGOs, die sich mit Rassismus, Diskriminierung und Diversity-Themen befassen. Zudem soll bei internen Teams stärker auf Vielfalt geachtet werden. Es werde auch "Ethik-Schulungen" geben.

© SZ vom 12.06.2020
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