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Vodafone:"Wir sind auf dem Weg"

Vodafone Pressekonferenz

Hannes Ametsreiter gibt bei Vodafone Deutschland die Richtung vor. Er setzt auf den Ausbau der 5G-Technik.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Vodafone-Chef Ametsreiter über 5G und was es derzeit bringt. Die meisten Handynutzer merken noch gar nichts davon. Wie also ist eigentlich der aktuelle Stand?

Von Helmut Martin-Jung

Führerlose Züge, Ladestationen, an denen E-Autos auch mit Software-Updates versorgt werden, vernetzte Fabriken - Hannes Ametsreiter, Deutschlandchef von Vodafone, kommt fast ins Schwärmen, wenn er aufzählt, was die neue Mobilfunktechnik 5G alles möglich macht. Doch die meisten Handynutzer merken noch gar nichts davon - wie also ist eigentlich der Stand der Dinge?

"Es wird mehr und mehr ausgebaut", sagt Ametsreiter, der sein Unternehmen als Vorreiter bei 5G sieht, es gebe eine "gute Dynamik". 360 Antennen seien bereits umgerüstet, täglich kämen neue dazu. In 50 Städten und Gemeinden hat Vodafone bereits erste 5G-Stationen aktiviert. "Wir wollen lernen", sagt der Manager, "wie viel Traffic gibt es da wirklich?" Mit der Zeit werde das Netz immer belastbarer werden, verspricht er.

Bis man halbwegs von Flächendeckung sprechen kann, werde es aber noch Jahre dauern. Und, nicht zu vergessen: Noch gibt es in Deutschland viele weiße Flecken, heißt: Dort gibt es überhaupt keinen Mobilfunkempfang. Und in vielen Gegenden ist der Datendurchsatz so gering, dass man Smartphones kaum sinnvoll verwenden kann. "Die Dinge sind noch nicht perfekt", gibt Ametsreiter denn auch zu. Helfen sollen nun Kooperationen, unter anderem mit der Deutschen Telekom.

Wo der eine Anbieter einen Mobilfunkstandort hat, der Konkurrent aber einen weißen Fleck, darf er diesen mitbenutzen, wenn er dem Konkurrenten einen anderen Standort bieten kann, wo es sich umgekehrt verhält. Im vergangen Jahr habe allein Vodafone 8000 Standorte gebaut beziehungsweise umgerüstet. Dabei geht es aber überwiegend um 4G-Technik. "4G wird bleiben", sagt Ametsreiter, "5G wächst in dieses Netz hinein."

Aber was haben die Nutzer davon, die bereits in Gebieten wohnen, die mit 5G versorgt sind? Wenn sie kein 5G-fähiges Endgerät haben, erst mal gar nichts. Denn ohne ein solches kann man die neue Technik nicht nutzen. Besitzer von Apple-Smartphones sind damit erst einmal ausgeschlossen, denn noch hat der kalifornische Konzern noch kein 5G-taugliches iPhone im Angebot. Was sich allerdings in diesem Jahr ändern dürfte.

Samsung dagegen hat schon mehrere Modelle verfügbar: die neue Galaxy-S20-Reihe, die demnächst auf den Markt kommt, gibt es auch mit 5G-Option. Downloads funktionierten dann noch viel schneller, verspricht Hannes Ametsreiter, mit bis zu zehn Gigabit pro Sekunde, zudem reagiere das Netz schneller auf Anfragen. Er hofft darauf, dass es den Nutzern so geht wie oft mit neuer Technik: "Wenn man sie gewohnt ist, möchte man nicht mehr zurück." Die zehn versprochenen Gigabit sind aber nur das Ziel, am Anfang kann die Technik das noch nicht leisten. "Wir sind auf dem Weg dahin, das ist die übliche Entwicklung", schränkt Ametsreiter ein.

Erheblich praxistauglicher ist eine Entwicklung, die sich im gewerblichen Umfeld abspielt. "Zahlreiche Interessenten" seien bereits bei Vodafone vorstellig geworden um sich zu informieren über 5G-Projekte für Firmen. Es geht dabei um sogenannte Campusnetze. Das sind 5G-Netze, die nur für eine Firma zugänglich sind. Vodafones Modellprojekt ist die Autofabrik des E-Auto-Pioniers Günther Schuh. Die Produktionshalle des Start-ups in Aachen ist bereits komplett mit 5G ausgestattet. "36 kleine Antennen sind in der Halle verbaut,zahlreiche Werkzeuge sind vernetzt in der Cloud."

Er will damit sagen, dass die Daten etwa eines Schraubers von einem Computersystem nahe an den Antennen ausgewertet und die Erkenntnisse daraus weitergeleitet werden ans zentrale System der Firma. Der Vorteil der neuen Technik: "5G kann mehr Dinge verbinden", sagt Ametsreiter. Außerdem könne Bandbreite reserviert werden, die schnellen Reaktionszeiten erlaubten es, Roboter präzise zu steuern. Von diesem Geschäftszweig erwartet sich der Vodafone-Chef sehr viel: "Das ist ein Megathema."

© SZ vom 21.02.2020
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