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Verdacht der Schwarzarbeit:Billige PR für Knorr-Bremse

Zollfahnder und Staatsanwälte beim Autozulieferer Knorr-Bremse: Bei einer Werbetochter des Konzerns wird wegen des Verdachts auf Schwarzarbeit ermittelt. Träfe dieser zu, wäre das angesichts der Dimensionen absurd.

Es ist fast schon ein Ritual. Bei Betriebsversammlungen der Knorr-Bremse AG am Konzernsitz in München verkündet der Vorstand regelmäßig Rekordzahlen. Tolle Umsätze, tolle Gewinne. In diesem Jahr erreichte der Auftragseingang einen neuen Höchststand. Das weltweit agierende Unternehmen, das Bremsen und andere Teile für Züge, Busse und Lkws herstellt, hat Bestellungen im Wert von 4,75 Milliarden Euro vorliegen.

Solchen Jubelbotschaften folgt immer wieder Kritik. Betriebsräte und Vertreter der IG Metall rügen, dass der Vorstand bei der Belegschaft knausere. Viele Beschäftigte müssten mehr als 40 Stunden die Woche arbeiten, bekämen aber nicht viel mehr Geld als Mitarbeiter anderer Konzerne mit 35-Stunden-Woche. Hohe Profite, die sich nicht in den Gehältern widerspiegeln, das passe einfach nicht zusammen.

Jetzt ist der Konzern in Verdacht geraten, bei einzelnen Beschäftigten mehr zu sparen, als das gesetzlich zulässig sei. Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) und Staatsanwälte haben vergangene Woche mehrere Tage lang den Stammsitz des Unternehmens in München-Moosach durchsucht. Der Vorwurf: Bei der Konzernfirma KB Media seien seit Ende der Neunzigerjahre Mitarbeiter als Selbständige eingestuft und abgerechnet worden, obwohl es sich bei ihnen faktisch um Angestellte gehandelt habe.

Das wäre ein Verstoß gegen Paragraf 266a Strafgesetzbuch: "Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt". Geschädigte wären neben den Beschäftigten auch die Sozialversicherungen gewesen. Bei den Beschuldigten soll es sich um eine aktuelle Führungskraft und um drei frühere Manager handeln. Träfe der Verdacht zu, dann wäre das absurd.

Das Unternehmen hat mehr als 20 000 Stellen, die rund um den Globus verteilt sind. In Deutschland sind es etwas mehr als 4000 Arbeitsplätze. Die KB Media ist eine klitzekleine Konzernfirma mit im Schnitt zehn Beschäftigten. So ist es dem zuletzt veröffentlichten Geschäftsbericht zu entnehmen. Dort ist ein Bilanzgewinn von 13 060,47 Euro im Jahr 2012 notiert.