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Vattenfall:Ökomann

"Die Abspaltung der Braunkohlesparte verändert unser Gesicht. Vattenfall wird grüner." Gunnar Groebler.

Gunnar Groebler fördert die grüne Energie bei dem schwedischen Energiekonzern. Der Hamburger will das Image des früheren Atomstromanbieters ändern.

Nicht mehr lange, dann ist die Braunkohle bei Vattenfall Geschichte. Die Verträge sind unterschrieben; es fehlt nur noch das grüne Licht aus Brüssel, dann trennt sich der schwedische Staatskonzern von Tagebauen und Kraftwerken. Ein Großteil des Geschäfts in Deutschland geht an einen tschechischen Investor namens EPH. Was aber wird aus Vattenfall? Für Gunnar Groebler, Leiter der Windsparte des Konzerns, ist die Antwort einfach. "Die Abspaltung der Braunkohlesparte ist ein wesentlicher Schritt nach vorne", sagt er. "Das verändert unser Gesicht, aber auch unsere Einstellung. Vattenfall wird grüner."

Groebler, 44, ist keiner, der sich aufs Abspalten versteht, eher schon auf das Gegenteil. 1999 kam er zur Vereinigten Energiewerke AG, einer Art Auffangbecken für ostdeutsche Braunkohlekraftwerke und einer der Vorläufer der späteren Vattenfall Europe in Deutschland. Eine seiner ersten Aufgaben: den Prospekt für den Verkauf der Energiewerke - kurz Veag - an Vattenfall erstellen. Der Zukauf von Unternehmen, die Verschmelzung von vier unterschiedlichen Firmenteilen in Deutschland unter der Regie von Schweden, das war jahrelang Groeblers Baustelle. Der Hobbyjäger zählte zu denen, die das Wachstum von Vattenfall organisieren sollten. Heute arbeitet er am Wachstum eines Teils dessen, was von Vattenfall bleiben soll: der Ökostrom.

Eine wahre Investitionsoffensive wollen die Schweden hier in den nächsten Jahren lostreten. Steckten sie in den zwölf Jahren zwischen 2002 und 2014 insgesamt 5,7 Milliarden Euro in den Ausbau von Windparks, sollen es nun binnen fünf Jahren noch einmal so viel sein. "Wind wird der neue Wachstumsmotor", sagt der Maschinenbau-Ingenieur. Er ist einer von zwei Deutschen im elfköpfigen Vorstand des schwedischen Konzerns. Seine Heimat aber ist Hamburg, dort lebt er mit seiner Familie. Da, wo der Wind weht.

Dabei zählte die Windenergie in Deutschland bisher nicht zu den Schwerpunkten bei Vattenfall. Groeblers Sparte baut und betreibt Windparks auch in Großbritannien, Dänemark, Schweden und den Niederlanden. In 80 verschiedenen Windparks stehen insgesamt tausend Windräder, aber nur hundert davon in Deutschland. Das sollte bald mehr werden, findet Groebler. Vor Kurzem sicherte sich Vattenfall alle Rechte an dem Nordsee-Projekt "Global Tech II", einem Windpark nördlich von Borkum, in dem sich irgendwann einmal etwa 80 Windräder drehen sollen. Zusammen mit den Stadtwerken München baut Vattenfall derweil am Windpark Sandbank westlich von Sylt.

An Land, wo künftig keine Vattenfall-Braunkohlekraftwerke mehr laufen werden, will der schwedische Konzern ebenfalls investieren. Bisher sei man hier "unterbesetzt". Dabei wachsen vielerorts mit den Windparks auch Vorbehalte und Bürgerinitiativen, oder, wie Groebler es ausdrückt: "Das Bild zu erneuerbaren Energien wird ausgewogener." Damit derlei Widerstand das grüne Wachstum bei Vattenfall nicht bremst, will der Konzern Bürger vermehrt an Windparks beteiligen. "Wir sehen immer dann hohe Akzeptanz, wenn für Betroffene ein direkter Nutzen erkennbar ist", meint der Spartenchef.

Erfahrungen habe man mit solchen Modellen in Dänemark und den Niederlanden reichlich gemacht, ebenso mit Ausschreibungen. Schließlich sollen auch in Deutschland künftig nur noch diejenigen bauen dürfen, die mit möglichst wenig Förderung auskommen. Recht so, sagt Groebler. "Unser Ziel ist, in absehbarer Zukunft subventionsfrei zu bauen." Auf Dauer müsse sich Windenergie gegen herkömmliche Kraftwerke behaupten können. Schließlich gebe es einen Konsens, sie peu à peu abzulösen. Wo sie doch schon abgespalten sind.