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US-Wahl:Generalbankmeister gesucht

Wer wird neuer US-Finanzminister? Manche glauben, dass Amtsinhaber Paulson zur Sicherheit vorerst bleiben sollte.

Henry Paulson ist in diesen Tagen der wichtigste Mann in Washington. Präsident George Bush ist im Strudel der Finanzkrise kaum noch wahrnehmbar, dafür bestimmt sein Finanzminister den Kurs. Paulson, 62, führt als eine Art Generalbankmeister den gesamten Finanzsektor der Vereinigten Staaten und ist oberster Koordinator für die internationale Krisenpolitik. Von ihm - und von seinem Nachfolger - hängt ab, wie gut Amerika und der Rest der Welt aus der Krise kommen.

Wer wird neuer US-Präsident? Und wie sieht sein Kabinett aus? Die Antwort steht - noch - in den Sternen.

(Foto: Foto: AFP)

Aber wer wird dieser Nachfolger, wenn am 20. Januar der neu gewählte 44. Präsident der USA sein Amt antritt? Das ist derzeit eines der beliebtesten Themen in den Gerüchteküchen von Washington und New York.

Für den Fall eines Wahlsieges von Barack Obama gab es zuletzt zwei heiße Kandidaten: Timothy Geithner und Jamie Dimon. Der 47-jährige Geithner ist Präsident der Federal Reserve Bank of New York. Qua Amt gehört er damit dem Offenmarktausschuss der Federal Reserve an und ist zuständig für den direkten Kontakt der Notenbank zu den Finanzmärkten.

Bewusste Lehman-Pleite

Faktisch hat Geithner während der vergangenen 15 Monate zusammen mit Notenbank-Präsident Ben Bernanke und Finanzminister Paulson den Kurs des Krisenmanagements bestimmt. Nach allgemeinem Konsens machte er dabei fast alles richtig - bis auf ein einziges Mal: Es war am 14. September vermutlich seine Entscheidung, Lehman Brothers die Staatshilfe zu verweigern und untergehen zu lassen. Mit der Lehman-Pleite begann die katastrophale Abwärtsspirale auf den Finanzmärkten.

Die Frage ist: Wird Obama jemanden nehmen, dem ein Fehler von historischer Dimension unterlaufen ist, auch wenn der einer der besten Experten bleibt? Geithner ist ein Zögling des früheren Finanzministers Robert Rubin, heute graue Eminenz im Verwaltungsrat der angeschlagenen Bank Citigroup. Unter ihm und dem Nachfolger Larry Summers war er von 1999 bis 2001 Staatssekretär für internationale Angelegenheiten.

Kandidat Nummer zwei ist Jamie Dimon, 52, der Chef der Großbank JP Morgan Chase und einer der Gewinner der Krise. Er führte seine Bank bisher so gut durch das Finanzchaos, dass er die Investmentbank Bear Stearns und die Sparkasse Washington Mutual zu Spottpreisen kaufen konnte. Trotz Krise sind die Beziehungen der Demokraten zur Wall Street unverändert gut. Dimon stand der Partei immer nahe und unterstützte im Vorwahlkampf Hillary Clinton.

"Nation von Jammerern"

Weniger wahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen sind ein paar andere Kandidaten: Senator Christopher Dodd, 64, aus Connecticut, der Vorsitzende des Bankenausschusses im Senat, die Berkeley-Ökonomin Laura Tyson, 61, oder sogar Michael Bloomberg. Der New Yorker Bürgermeister hat zwar gerade durchgesetzt, dass er für eine dritte Amtszeit kandidieren darf, strebt aber andererseits schon lange nach Washington, und seine Beziehungen zu Obama sind gut.

Auch Robert Rubin und Larry Summers werden gelegentlich genannt. Rubin sanierte unter Präsident Bill Clinton erfolgreich den Staatshaushalt, er ließ aber danach bei Citi die Dinge schleifen und ist mit 70 Jahren relativ alt. Summers, 54, gehört zu den international einflussreichsten Ökonomen, macht sich aber immer wieder durch kontroverse Äußerungen unbeliebt. 2006 wurde er als Harvard-Präsident zum Rücktritt gezwungen, nachdem er die Eignung von Frauen für akademische Karrieren in Zweifel gezogen hatte.

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