Überraschende Kündigung:Sparkassen-Präsident stürzt den Chef der Deka-Bank

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Nur noch bis Mai ist der Verbandschef der deutschen Sparkassen Haasis im Amt. Dann will er seinen Laden aufgeräumt übergeben - ohne den bisherigen Vorstandschef der Deka-Bank Waas. Der hatte Millionen-Boni gefordert und bekommt nun seine Kündigung präsentiert.

Harald Freiberger, Frankfurt

Montag 16 Uhr. Da wusste Oliver Behrens noch nicht, dass er am nächsten Tag um elf Uhr vormittags auf dem Podium prominent in der Mitte sitzen würde. "Es ist alles überraschend geschehen, ich gehe mit der Situation um, wie sie ist", sagt er. Der Mann war bisher normales Vorstandsmitglied der Deka-Bank, des Fondsanbieters der Sparkassen, und nun plötzlich ist er kommissarischer Vorstandschef.

Deka-Bank bleibt Dienstleister der Sparkassen

Auch nach dem Rauswurf von Vorstandchef Franz S. Waas bleibt die Deka-Bank Dienstleister der Sparkassen.

Eigentlich hätte Franz S. Waas, 51, an der Stelle von Behrens im 40. Stock des Frankfurter Deka-Turms sitzen sollen. Doch der Manager wurde am späten Montagnachmittag gefeuert, mit einer Pressemitteilung, wie es sie nicht täglich gibt: "Mit sofortiger Wirkung abberufen und von seinen Aufgaben entbunden" sei Waas, teilte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband mit. Nicht einmal eine Dankesformel findet sich in dem Schreiben. Dahinter steckt ein Mann, dessen Verhältnis zu Waas seit langem angespannt war: Heinrich Haasis, der Verbandschef. Er ist auch Chef des Verwaltungsrats der Deka-Bank, die den Sparkassen zu 100 Prozent gehört.

Die Baustelle Deka-Bank schien schon aufgeräumt

Haasis, 66, hört im Mai auf. Vor Monaten versprach er, dass er bis zum letzten Tag so arbeiten werde, als ob er noch zehn Jahre im Amt wäre. Das stellte er mit dem Rauswurf von Waas eindrücklich unter Beweis. Doch ganz aufräumen kann Haasis seinen Laden nicht mehr. "Es gibt in der öffentlich-rechtlichen Finanzwelt so viele Baustellen, dass man gar kein geordnetes Haus übergeben kann", sagt ein Kenner der Szene.

Die Baustelle Deka-Bank schien schon aufgeräumt. Waas kam 2006 zu dem Institut, das damals in der Krise steckte. Es gab Probleme mit einem offenen Immobilienfonds, dessen Auszahlung man aussetzen musste, es gab Bestechungsvorwürfe gegen einen Vorstand. Waas brachte zunächst Ruhe in die Bank, doch früh zeichnete sich ab, dass er nicht in die Sparkassenwelt passt. Das zeigt sein Lebenslauf: Aufgewachsen ist Waas zwar auf dem niederbayerischen Land in Landau an der Isar, doch dann führte ihn sein Berufsweg schnell in die große weite Welt der internationalen Finanzmärkte. Er arbeitete für Hypo-Vereinsbank und LBBW in New York und auf den Cayman Islands, war Kapitalmarktchef der HSH Nordbank.

Bei der Deka-Bank wollte er seine Erfahrungen als Investmentbanker schnell umsetzen. Er stieg in neue Geschäftsfelder ein wie den Derivatehandel, machte riskante Finanzmarktgeschäfte. Im Jahr 2008 musste er 1,3 Milliarden Euro auf strukturierte Produkte abschreiben.

Es ging um Boni, die Waas munter einfordert

Für die Eigentümer, die Sparkassen, war es ein Kulturschock. Sie wollten die Deka-Bank als braven Fonds-Dienstleister und nicht als "Zockerbude", wie mancher Sparkassen-Mann Waas vorwarf. Im Jahr 2010 aber schien man sich zu einigen. Der Deka-Chef versprach, die Finger vom riskanten Geschäft zu lassen, sein Vertrag wurde bis 2016 verlängert. Umso überraschender nun der Eklat.

Es ging um Boni für die Jahre 2008 und 2009, die Waas munter einfordert. Zwei Millionen Euro hat er bereits erhalten, seiner Ansicht nach aber stehen ihm weitere 2,5 Millionen Euro zu. Im Kern geht es um eine schwierige Vertragsfrage, weil bei der Höhe der Boni auch die Bewertung des Unternehmens eine Rolle spielt.

Haasis war fassungslos, als Waas Anfang des Jahres auf die Zahlung der Vergütung bestand. Der Verbandschef habe versucht, "ihm verständlich zu machen, dass er nicht öffentlich über hohe Boni bei Privatbanken wettern kann und dann im eigenen Lager dasselbe genehmigt", sagt ein Sparkassen-Mann.

Haasis telefonierte vor der Sitzung am Montag mit den Verwaltungsräten. Er wollte die Mehrheit gegen Waas sichern. Er holte auch Georg Fahrenschon ins Boot, den früheren bayerischen Finanzminister, der ihm im Mai als Sparkassenpräsident folgt. Nun ist es wahrscheinlich, dass Waas seine Forderung vor dem Arbeitsgericht einklagt.

"Wie beim Häuserkampf"

Bei der Deka-Bank versucht man die Wogen zu glätten. "Es geht darum, die Bank am Laufen zu halten, Mitarbeiter und Kunden nicht zu verunsichern", sagt Interimschef Behrens. An der eingeschlagenen Strategie ändere sich nichts, die Deka-Bank bleibe in erster Linie Dienstleister der Sparkassen. "Das ist kein Mutter-Tochter-Verhältnis, sondern eine umgekehrte Pyramide, bei der wir unten stehen", sagt er. Jede Sparkasse müsse von den Produkten der Deka-Bank überzeugt werden, das sei "wie beim Häuserkampf".

Ganz unten: Die Sparkassen und ihr Chef Haasis werden so viel Demut gerne hören. Waas galt als Gegner einer Fusion von Deka-Bank und Landesbank Berlin (LBB), die von den Sparkassen in der Finanzkrise übernommen wurde. Nun wird ein Zusammenschluss der beiden einfacher. Das Fondsgeschäft der LBB könnte zur Deka-Bank kommen, das Immobiliengeschäft der Deka-Bank zur LBB. Das ist nur eine von vielen Baustellen, die Haasis seinem Nachfolger Fahrenschon hinterlässt. Der muss noch einen großen Teil der Aufräumarbeiten bei den Landesbanken leisten.

Haasis nimmt's gelassen. Vor kurzem erzählte er in Frankfurt eine Geschichte: In den 70er Jahren war er Bürgermeister im schwäbischen Bisingen. Als sein Finanzchef gehen wollte, sagte er ihm, er solle doch bleiben, bis der Kindergarten gebaut sei, dann sei die Gemeinde aus dem Gröbsten heraus. Doch bald kamen neue Projekte und neue Baustellen. Seitdem weiß Haasis: "Fertig ist man nie."

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