Übernahme in Automobilbranche:VW übernimmt Steuerrad bei Scania

Jetzt wird durchregiert: Volkswagen sichert sich den vollen Zugriff auf das schwedische Unternehmen Scania. Nun kann es die Restaktionäre rausdrängen.

Von Kristina Läsker, Hannover, und Thomas Fromm

Es gibt in der Industrieproduktion ein altes, bewährtes Prinzip, das heißt "just in time". Es bedeutet, kurz gesagt, dass immer nur jenes Material ans Band geliefert, was gerade auch tatsächlich für die Endproduktion benötigt wird. "Just in time" - zur richtigen Zeit.

Auch die Nachricht von der Komplettübernahme des schwedischen Lkw-Herstellers Scania durch Volkswagen kam "just in time" - sie wurde nämlich pünktlich zum Auftakt der Hauptversammlung des Autokonzerns geliefert. Eine Nachricht wie diese können VW-Chef Martin Winterkorn und sein Aufsichtsratsvorsitzender Ferdinand Piëch gut gebrauchen an einem solchen Tag. Denn lange haben die Wolfsburger gezittert, jetzt hat der Pensionsfonds Alecta erklärt, dass er seine Anteile von 2,04 Prozent an Scania an VW verkaufen werde. VW hat jetzt das Sagen, kann durchgreifen, und nun sein Projekt fortsetzen: Die Bildung einer großen, gemeinsamen Nutzfahrzeugsparte von Scania und dem Münchner Lkw-Bauer MAN unter einem gemeinsamen VW-Dach.

Am Tag der Hauptversammlung herrscht dann auch spürbare Erleichterung in Hannover: "Jetzt können wir uns endlich so aufstellen im Lkw-Bereich, wie wir uns das wünschen", sagt VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh. Und Olaf Lies, Wirtschaftsminister von Niedersachsen, dem Bundesland, das mit 20 Prozent zu den Großaktionären des Autokonzerns gehört, meint, man gehe nun "erleichtert in den Tag".

Erleichtert - zumindest heute. VW hat, wenn auch im zweiten Anlauf, mehr als 90 Prozent der Anteile an dem schwedischen Lkw-Hersteller Scania bekommen und kann nun die Restaktionäre aus dem Kreis der Gesellschafter drängen. Wirklich erleichtert aber können Manager und Politiker wohl erst dann sein, wenn sich das Milliardeninvestment auch tatsächlich rentiert, wenn die Zusammenarbeit von MAN und Scania Früchte trägt. So weit ist es aber noch nicht: Erst einmal braucht der neue Verbund eine Strategie - für China, für die USA, für sich selbst. Antworten auf diese Fragen erwarten auch die Aktionäre.

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