bedeckt München 31°

Uber:Schluss mit Taxi-Smalltalk

Uber

Neben wortkargen Fahrern können Uber-Kunden jetzt auch mehr Beinfreiheit, oder ihre bevorzugte Lufttemperatur dazu buchen.

(Foto: dpa)

Bei Uber kann man jetzt gegen Aufpreis schweigsame Fahrer dazubuchen. Einige Gäste finden das respektlos - und auch die Fahrer wollen sich nicht vorschreiben lassen, wie sie zu kommunizieren haben.

Von Vivien Timmler

Eigentlich gibt es nur zwei Arten von Taxifahrern. Die einen schaffen es selbst auf drei Kilometern, ihre gesamte Lebensgeschichte herunterzubeten, die anderen pressen selbst dann noch die Lippen zusammen, wenn man sie zum dritten Mal fragt, ob er da hinten nicht hätte abbiegen müssen.

Ähnlich verhält es sich mit ihren Gästen: Einige finden es ganz nett, ein paar Worte mit ihrem Fahrer zu wechseln, viele aber fühlen sich von allzu monologartigen Ausführungen extrem genervt.

Der Fahrdienstleister Uber reagiert nun auf diese Präferenzen und bringt zusammen, was vermeintlich zusammen gehört. Ab sofort können Kunden über die App angeben, ob sie "happy to chat" sind, also ganz froh über ein Gespräch, oder doch lieber "quiet preferred", also ihre Ruhe haben wollen.

Das Ganze gibt es natürlich nur gegen Aufpreis und ist Teil des Pakets "Uber Comfort", das die Firma am Dienstag zunächst in einigen US-Städten startete. Neben wortkargen Fahrern können Kunden nun auch mehr Beinfreiheit, ein maximal fünf Jahre altes Auto und ihre bevorzugte Lufttemperatur dazu buchen. 20 bis 40 Prozent soll der Spaß über dem normalen Fahrpreis liegen.

Eigenen Angaben zufolge reagiert Uber mit der Maulkorb-Option auf Anfragen von Geschäftsreisenden und anderen Fahrgästen, die auf der Fahrt zum Flughafen arbeiten oder sich in Ruhe entspannen wollen. Die Kritik an dem Modell kam jedoch prompt: Einige Kunden bezeichneten es als "respektlos", dem Fahrer vorzuschreiben, wie und ob er mit seinen Kunden zu kommunizieren habe. Auch ein paar Uber-Fahrer selbst diskutierten online über die buchbare Stille in ihren Fahrzeugen. "Niemand schreibt mit vor, ob ich in meinem eigenen Fahrzeug reden darf oder nicht", schreibt einer von ihnen.

Auch Harry Campbell, Quasi-Lobbyist für Uber- und Lyft-Fahrer, ist enttäuscht über die Entwicklung. In den Anfangstagen der Apps habe sich ein Großteil der Fahrgäste noch kommunikativ gezeigt und den Fahrern viele Fragen gestellt. Das habe sich mittlerweile jedoch geändert. "Ich habe das Gefühl, alles in unserer Gesellschaft wird in eine App verwandelt, und wir verlieren die Kunst der Konversation."

© SZ vom 11.07.2019

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite