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Thyssenkrupp:Die Chefin warnt

Thyssenkrupp AG's new company logo adorns it's headquarters in Essen

Die Zentrale von Thyssenkrupp in Essen: Hier werden seit Jahren immer neue Pläne gemacht, um die Krise endlich zu überwinden.

(Foto: Ina Fassbender/Reuters)

Der Konzern könnte neue Finanzmittel brauchen, die Aktie verliert so stark wie lange nicht mehr.

Von Caspar Busse

Die Worte, die Martina Merz an die "lieben Mitarbeitenden" gerichtet hat, sind durchaus deutlich. Thyssenkrupp sei ohnehin in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Corona verschärfe die Situation nun zusätzlich "ganz erheblich", schrieb die Vorstandschefin des angeschlagenen Stahl- und Industrieunternehmens Ende vergangenen Woche an die Belegschaft, und fügte an: "Dem Ernst der Lage entsprechend muss alles geprüft und darf nichts mehr ausgeschlossen werden."

Die Anleger verstanden diese eher unkonkrete Ankündigung des Vorstands als das, was sie ist: eine Warnung. Die Thyssenkrupp-Aktie gab am Montag zeitweise mehr als 16 Prozent ab, es ist einer der größten Kursstürze der Firmengeschichte. Das Papier fiel bis auf 5,04 Euro, vor gut zwei Jahren lag der Wert noch bei weit über 25 Euro. Und schon damals war Thyssenkrupp in der Krise.

Vorstandschefin Merz hatte den Verkauf der sehr rentablen Aufzugsparte eingefädelt, mit dem Erlös wollte sie ursprünglich den Konzern aus der Krise führen. Ob das so klappt, ist nun aber offen. Denn die Einbußen durch die Coronavirus-Krise fressen die Einnahmen aus dem Verkauf der Aufzugsparte auf. Weitere Finanzspritzen könnten notwendig werden. "Mittelfristig werden die Corona-bedingten Liquiditätsabflüsse aller Voraussicht nach dazu führen, dass der finanzielle Spielraum aus dem Verkauf des Aufzuggeschäfts weitaus geringer als ursprünglich angenommen sein wird. Wir bereiten Lösungswege dafür vor", heißt es in dem Mitarbeiterbrief. Immerhin gehe man "nach aktuellem Stand" davon aus, dass der Spartenverkauf zeitgerecht abgeschlossen werden kann, also bis spätestens September. Sollte sich der Abschluss bei gleichzeitiger Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen jedoch verzögern, "wäre Thyssenkrupp möglicherweise auf zusätzliches Geld zur Überbrückung einer etwaigen Liquiditätslücke angewiesen", schreibt Merz. Die Finanzinvestoren Advent und Cinven sowie die RAG-Stiftung wollen 17,2 Milliarden Euro für das Aufzuggeschäft zahlen. Thyssenkrupp hat sich zudem einen Staatskredit gesichert.

Das alles klingt nicht gut. Am Dienstag kommender Woche will Thyssenkrupp die Zahlen für das abgelaufene Quartal vorlegen. Schon jetzt sind viele Werke des Konzerns geschlossen, entweder wegen behördlicher Auflagen oder wegen Nachfragemangels. 30 000 der 162 000 Mitarbeiter sind weltweit in Kurzarbeit, und es sollen noch mehr werden. Bei der Hauptversammlung Ende Januar zeigte sich Thyssenkrupp-Chefin Merz noch zuversichtlich: "Wenn wir uns in einem Jahr wiedersehen, dann werden wir das Schiff in ruhigere Gewässer gebracht und Fahrt aufgenommen haben." Daran gibt es ernste Zweifel.

© SZ vom 05.05.2020
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