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Thomas Enders wird neuer EADS-Chef:Sieg auf ganzer Linie für den Deutschen

Im Verwaltungsrat werden also künftig drei von der französischen Seite nominierte Mitglieder sitzen (inklusive Lagardère), dazu zwei Deutsche, ein Spanier und vier Unabhängige. Bisher stellten die Deutschen drei. Hinzu kommt aber noch Enders, der qua Vorstandsamt auch im Verwaltungsrat sitzt. Im Vorstand hingegen herrscht Gleichgewicht: Dort waren es bisher fünf Franzosen und vier Deutsche, künftig sollen es fünf Deutsche und fünf Franzosen sein.

Für den designierten EADS-Chef Thomas Enders ist es ein Sieg auf ganzer Linie. Er hat sich mit seinen Personalvorstellungen durchgesetzt. Über nicht ganz durchschaubare Kanäle drang Ende 2011 der Wunsch Frankreichs durch, den Posten des Eurocopter-Chefs und des EADS-Finanzvorstands mit Franzosen zu besetzen, um den als solchen wahrgenommenen Machtverlust auszugleichen. Dazu ist es nicht gekommen.

Diese Entscheidungen sind auch deshalb von großer Tragweite, weil mit der Amtszeit von Enders die bisherige Rotation ausläuft. 2007 hatten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy darauf geeinigt, dass bei EADS zunächst fünf Jahre ein Franzose das Sagen haben soll, bei Airbus ein Deutscher, und 2012 getauscht werde. Diesen Automatismus gibt es künftig nicht mehr. Der Vertrag von Enders könnte nach fünf Jahren noch einmal verlängert werden. Enders wäre dann 57 und noch nicht zu alt - Gallois hört jetzt mit 68 Jahren auf.

Auf den ersten Blick sieht es also so aus, als sei alles geklärt. Aber nur auf den ersten Blick, denn man darf guten Gewissens davon ausgehen, dass es auch künftig Kompetenzgerangel geben wird. Louis Gallois etwa hat einen sehr präsidialen Führungsstil gepflegt und wird intern und extern dafür gelobt, viel für das Überwinden des alten Machtdenkens im Konzern getan zu haben. Die Auseinandersetzungen der letzten Wochen haben allerdings die Frage aufgeworfen, wie erfolgreich er darin wirklich war.

Enders hingegen ist eher ein Freund klarer Ansagen. In seiner Umgebung heißt es, er werde versuchen, die EADS-Zentrale gegenüber den Tochtergesellschaften aufzuwerten und vor allem die Integration von Airbus zu verstärken. Erster Hinweis darauf: Die neuen EADS-Vorstände Wilhelm und Baril behalten ihre bisherigen Jobs bei Airbus. Dem selbstbewussten neuen Airbus-Chef Fabrice Brégier dürfte dies sehr gegen den Strich gehen, schließlich verliert er damit selbst an Macht.