Textilien aus Bangladesch:Die schlechten Tricks der Unternehmer

Wie vertrauenswürdig sind die Überprüfungen der Hersteller, die westliche Unternehmen zuweilen durchführen lassen?

Es gibt viele Probleme bei diesen Audits, die übrigens für die durchführenden Gesellschaften eine Riesengeschäft sind. Prüfer werden auch bestochen oder betrogen.

Konkret?

Beispielsweise durch doppelte Buchhaltung. Dann wird bescheinigt, dass die Arbeiterin höchstens 60 Stunden pro Woche gearbeitet hätte, obwohl es tatsächlich 100 Stunden waren. Es kann auch behauptet werden, dass keine Kinder in dem Betrieb arbeiten würden. Tatsächlich sind sie dann nur am Tag der Überprüfung nicht da. Wenn Prüfer unangemeldet erscheinen, verschwinden sie schnell. Oder den Näherinnen wird klar gemacht, was sie bei Befragungen sagen dürfen und was nicht. Da heißt es dann: Wenn du den Prüfern erzählst, dass du zwangsweise Überstunden machst, dann bekommen wir keine neuen Aufträge mehr.

Wer weiß dann noch, was in den Betrieben wirklich los ist?

Am ehesten die lokalen Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen - die stehen oft in direktem Kontakt mit den Beschäftigten.

In Bangladesch ist kürzlich ein Gebäude zusammengestürzt - nach neuesten Zahlen starben dabei mehr als 1000 Menschen. Wer kümmert sich um die Gebäudesicherheit, also die elementarste Form des Schutzes am Arbeitsplatz?

Selbst wenn eine Fabrik nur im Rahmen eines Sozialaudits überprüft wird, sollte dazu auch die Überprüfung des Brandschutzes und der Gebäudesicherheit gehören. Mängel sind da relativ leicht erkennbar. Sicher: Die Auditfirmen können nicht alles kontrollieren, aber sie könnten sich zumindest die Bestätigung der Aufsichtsbehörde vorlegen lassen, dass ein Gebäude abgenommen wurde. In dem von Ihnen genannten Fall war es wohl ein illegales Gebäude, es gab keine Erlaubnis, dort solche Fabriken zu führen.

Wenn also nichts da ist, worauf sich die Kunden verlassen können, was bleibt dann noch, um sich beim Kleidungskauf zu orientieren?

Es gibt einige Gütesiegel, deren Verbreitung deutlich zunimmt, wie ich auf der Fashion Week in Berlin sehen konnte.

Zum Beispiel?

Da gibt es das Fairtrade-Siegel, das vor allem etwas über die Bedingungen der Beschäftigten auf Baumwollplantagen aussagt. Die Fair Wear Foundation achtet auf die Arbeitsbedingungen bei der Konfektion der Kleidung und überprüft zusätzlich die Einkaufspolitik der hiesigen Firmen. Es ist also als Unternehmenssiegel zu verstehen - nicht nur als Siegel für ein einzelnes Produkt. Daneben gibt es Siegel für Naturtextilien wie GOTS und IVN Best.

Viele fragen sich, ob sie bestimmte Handelsketten boykottieren sollen. Bringt das etwas?

Wir von der Kampagne für saubere Kleidung rufen nicht zum Boykott auf, weil letztlich die Näherinnen leiden würden. Zudem lassen fast alle großen Kleidungsketten unter schlechten Bedingungen produzieren, darum ist es schwierig, eine herauszugreifen. Besser ist es, öko-faire Kleidung zu kaufen oder auch Secondhand-Ware - und grundsätzlich den eigenen Konsum zu überdenken.

Gisela Burckhardt ist Vorstandsvorsitzende bei Femnet.

Lesetipp: Ein vielsagender Artikel zum Thema erschien 2010 in der "Zeit": "Das Welthemd". Der darin angegebene Preis für Baumwolle liegt derzeit übrigens bei knapp 60 Cent für 400 g Baumwolle.

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