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Telekom:Geheimvertrag auf dem Balkan

Zahlreiche Dokumente geben Aufschluss über das merkwürdige Geschäftsgebaren des Telekom-Konzerns in Südosteuropa. Er wollte Konkurrenz verhindern, Vorstandschef René Obermann soll davon nichts gewusst haben.

Seit Jahren schon wühlen sich Ermittler und Staatsanwälte mehrerer Länder durch einen Wust von Unterlagen der Deutschen Telekom und ihrer Telefongesellschaften auf dem Balkan. Es gilt, einen schwerwiegenden Verdacht aufzuklären. Im ehemaligen Jugoslawien sollen Regierungen und Geschäftspartner geschmiert worden sein, um die Konkurrenz dort klein zu halten. Seit kurzem ist auch die Bonner Staatsanwaltschaft in dieser Sache tätig; sie hat Verfahren gegen acht Beschuldigte eingeleitet, darunter Vorstandschef René Obermann. Er lenkt von der Unternehmenszentrale in Bonn aus die Geschäfte des Konzerns.

Der dortigen Staatsanwaltschaft liegen zahlreiche Dokumente vor, die Aufschluss geben über fragwürdige Geschäftsgebaren bei der Telekom. So soll die ungarische Tochter Magyar Telekom mit der mazedonischen Regierung über einen Geheimvertrag verhandelt haben, wie der Spiegel berichtet. Dem Land auf dem Balkan seien mehrere Millionen Euro in Aussicht gestellt worden, falls die Regierung keine weiteren Mobilfunk-Lizenzen an konkurrierende Firmen vergebe. Für die Telekom und deren internationales Mobilfunkgeschäft wäre das einer Lizenz zum Gelddrucken gleichgekommen. Und für dieses Geschäft zuständig war Obermann, bevor er Ende 2006 zum Vorstandschef aufstieg.

Diverse Mails, die wegen des geplanten Geheimvertrags mit dem Titel "Protocol of Cooperation" mit Mazedonien im Konzern hin- und hergeschickt wurden, werfen die Frage auf, ob Obermann damals in diesen Vorgang eingebunden war. Nein, antwortet ein Telekom-Sprecher. Es gebe keine Hinweise darauf, dass Obermann von diesem Abkommen gewusst haben müsste, geschweige denn daran mitgewirkt hätte. Das habe kürzlich eine von der Telekom mit der Sichtung der Unterlagen und der Klärung der Vorwürfe beauftragte US-Anwaltskanzlei "bestätigt und bekräftigt". Es handelt sich übrigens um die Kanzlei Debevoise & Plimpton, die schon im Schmiergeldskandal Siemens tätig geworden war. Dort ebenfalls im Auftrag des Unternehmens. Für die Telekom hat Debevoise & Plimpton jetzt untersucht, was an den Vorwürfen der Bonner Staatsanwaltschaft dran sein könnte.

Die Ermittler aus Bonn verdächtigen Obermann, er habe 2005 bei einem Treffen mit dem Chef des mazedonischen Konzernablegers Zahlungen an den dortigen Staat davon abhängig gemacht, dass die Regierung den Telefonmarkt für Konkurrenten nur sehr langsam öffne. Die Telekom und Obermann weisen das zurück. Bei dem Gespräch habe es sich nur um einen "Höflichkeitsbesuch" des mazedonischen Managers bei Obermann in der Bonner Konzernzentrale gehandelt. Ob dieser Vorwurf etwas mit dem einst geplanten Geheimvertrag zu tun haben könnte, werden die Ermittler bestimmt genau prüfen. Am Ende läuft alles auf die Frage hinaus: Hat Obermann von den Machenschaften in seinem Konzern auf dem Balkan etwas gewusst oder sich sogar selbst eingeschaltet, oder lief das alles an ihm vorbei? Eine ebenso spannende wie entscheidende Frage.