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Tank & Rast:Die Firma überlebt nur, weil das Geschäft langfristig abgesichert ist

Die Firma kann nur überleben, weil die Geschäfte an der Autobahn so bequem und weil sie langfristig abgesichert sind. Autobahn-Raststätten müssen keine Konkurrenten fürchten, und die Verträge von T & R mit dem Staat haben lange Laufzeiten, die einen bequem planbaren Cash-flow erlauben. Die zuständigen Straßenbauverwaltungen haben mit T & R seit 1998 Verträge abgeschlossen, die eine Laufzeit bis zu 40 Jahren haben, plus zweimalige Verlängerungsoption von fünf Jahren.

Insolvenzexperten nennen so etwas eine "günstige Fortführungsprognose", sodass der Gang zum Insolvenzrichter vermieden werden kann. Der Staat macht es möglich, dass Finanzinvestoren dicke Gewinne abziehen und T & R in einem Maße mit Schulden befrachten können, das normale Unternehmen in die Pleite treiben würde.

Den Preis zahlen die Autofahrer, die an der Autobahn für den Liter Sprit mehr zahlen als an normalen Tankstellen. Auch die Preise für Kaffee oder Mahlzeiten sind gepfeffert. Autoreisende verbringen immer weniger Zeit in den Raststätten. Karl-H. Rolfes, der Chef von T & R, räumte im vergangenen Jahr ein, dass sie heute nur noch durchschnittlich 13 bis 15 Minuten bleiben. "Damit hat sich die Aufenthaltsdauer in den letzten 15 Jahren fast halbiert." Aber die Zahl der Gäste steige, sagte Rolfes. "Es werden nur schnell die nötigsten Bedürfnisse bedient: essen, trinken, auf Toilette gehen."

Druck auf die Löhne

Auch die Mitarbeiter bekommen zu spüren, dass ihr Arbeitgeber weit mehr verdienen muss als die Gewinnspanne für Benzin oder Buletten. Tim Lubecki von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) hat die Geschäfte von T & R in Augsburg beobachtet, wo die Gesellschaft zwei der wenigen Raststätten selbst betreibt, die sie nicht verpachtet hat. Dort beklagen die Beschäftigten einen ständigem Druck auf die Löhne. Noch 2006 habe T & R bei Neueinstellungen die Tarife des Gaststätten- und Hotelgewerbes bezahlt, sagt Lubecki. Mitarbeiter aus diesen Zeiten verdienen heute pro Stunde etwa zwölf Euro. Wer heute bei T & R anfängt, bekommt manchmal nur noch einen Cent mehr als den gesetzlichen Mindestlohn: 8,51 Euro.

Private-Equity-Investoren

Heuschrecken sind herzlich willkommen

Einst eine Mischung aus "Dilettanten, Spielern und Gangstern", heute oft gern gesehen: Private-Equity-Investoren - die "Heuschrecken" - haben ihren Ruf als gewissenlose Firmen-Plünderer weitgehend verloren. Vor ihnen muss man keine Angst mehr haben.   Ein Kommentar von Karl-Heinz Büschemann

Vor allem seit Guy Hands an den Autobahnen die Heuschrecken-Wirtschaft eröffnet hat, müssten die Partner von T & R zunehmend bluten. "Die Privatisierung ist eine Katastrophe für Pächter und Beschäftigte", sagt Lubecki. Der Gewerkschafter befürchtet, dass der Kostendruck bei T & R die Löhne noch weiter nach unten treibt. "Der Druck auf die Beschäftigen wird weiter wachsen." Schon zuletzt seien Pachten drastisch erhöht worden, berichten Unternehmenskenner. Vielen Betreibern seien die Verträge gekündigt worden. Pächter, die eine gut gehende Rastanlage unter Vertrag haben, würden von T & R gezwungen, auch noch eine weniger gut laufende hinzuzunehmen, heißt es.

Mitarbeiter und Pächter, aber auch die Aktionäre und Lebensversicherungskunden der Allianz fragen sich, warum sich der Finanzkonzern bei T & R noch eine Rendite erhofft. Eine Sprecherin von Allianz Capital Partners erklärt, man sei nicht mehr wie früher an kurzfristigen Engagements interessiert. ACP investiere langfristig und habe einen Planungshorizont von mehreren Jahrzehnten.

Die wird die Allianz brauchen, um an T & R verdienen zu können.