Tabakindustrie Lucky Strike gönnt sich 'ne Camel

Die Tabakindustrie setzt darauf, dass die Nachfrage weltweit wieder wächst.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Der Zigarettenhersteller British American Tobacco (BAT) übernimmt seinen US-Konkurrenten Reynolds für fast 50 Milliarden Dollar.
  • Damit will der Konzern seinen Einfluss weiter ausbauen und mögliche Wachstumsmärkte besser erschließen.
  • Die Industrie sieht weltweit noch großes Wachstumspotenzial, unter anderem in Afrika und im Bereich der elektronischen Zigaretten.

Zwei ikonische Marken der Zigarettenindustrie gehören bald zum selben Konzern: Lucky Strike und Camel. Denn British American Tobacco (BAT) übernimmt seinen US-Rivalen Reynolds komplett. Dafür zahlt das Unternehmen rund 49,4 Milliarden Dollar. BAT produziert unter anderem die Marke Lucky Strike, Reynolds ist vor allem in den USA stark vertreten und verkauft dort Zigaretten unter dem Label Camel.

Der Deal ist vorerst der Höhepunkt einer langen Geschichte von Übernahmen in der Tabakindustrie. Vor zwölf Jahren hatte BAT noch sein US-Geschäft an Reynolds abgegeben und dafür gut 42 Prozent der Anteile an der zusammengeschlossenen Firma bekommen. Reynolds wiederum hatte erst 2015 noch einen anderen Rivalen für 27 Milliarden Dollar geschluckt. Und nun geht also alles komplett an den BAT-Konzern.

Mit der jetzt verkündeten Kaufvereinbarung übernimmt BAT die restlichen 57,8 Prozent, die der Konzern bisher noch nicht an Reynolds hielt. Die Aktionäre erhalten dafür pro Anteilschein 29,44 Dollar in bar und 0,53 BAT-Aktien. Für Raucher in Europa ändert der Zusammenschluss allerdings wenig: Hier wird die Marke Camel zwar ebenfalls vertrieben - aber nicht von Reynolds, sondern dem Konkurrenten Japan Tobacco International. Trotzdem wird BAT nun nach eigenen Angaben zum größten börsennotierten Tabakkonzern der Welt. Er würde damit den bisherigen Spitzenreiter Philip Morris International (u.a. Marlboro) ablösen - und setzt alles auf die These: Zigaretten lohnen sich noch.

Mit der Übernahme will BAT seine Marktposition verbessern

Zwar sinkt die Zahl der Raucher in den Industrieländern, und Regierungen erlassen immer mehr Nichtraucher-Gesetze. Doch es gibt noch Märkte, die enorm wachsen könnten. Zum Beispiel in den Schwellen- und Entwicklungsländern, vor allem in Afrika. Lange galt der Kontinent als die größte Nichtraucher-Region der Welt. Jetzt investieren die Tabakkonzerne dort massiv in Werbung, bieten Verlosungen an und sogar Gratis-Zigaretten für Schulkinder.

Doch auch in den Industrieländern könnte das Rauchen wieder schick werden, zum Beispiel durch elektronische Zigaretten in allen Varianten. Um diese Märkte möglichst schnell und effizient erschließen zu können, setzten die Konzerne auf Fusionen. BAT-Chef Nicandro Durante erklärte, durch die Übernahme von Reynolds werde sein Konzern stärker und vielfältiger. Zur Strategie der Firma zählen aber auch ganz andere Maßnahmen: Im vergangen Jahr entließ BAT noch 950 Mitarbeiter in einem Werk in Bayreuth - um Kosten zu sparen.

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