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Syntellix:Maulkorb für Maschmeyers Ex-Kumpel Claassen

Waren mal Kumpels, jetzt streiten sie: Carsten Maschmeyer (links) und Utz Claassen.

(Foto: Rust/imago)
  • Seit Wochen streiten die ehemaligen Unternehmer-Freunde Carsten Maschmeyer und Utz Claassen um das gemeinsame Unternehmen Syntellix.
  • Doch nun hat das Maschmeyer-Lager einen entscheidenden Wirkungstreffer erzielt. Das Landgericht Hamburg untersagt Claassen per Einstweiliger Verfügung, einen brisanten Vorwurf zu wiederholen.

Lange waren sie dicke Freunde, doch dann mutierten Carsten Maschmeyer und Utz Claassen plötzlich zu erbitterten Feinden. Seit Wochen überziehen sich die beiden schillernden Unternehmer gegenseitig mit Vorwürfen, Drohungen und Strafanzeigen. Es ist ein bizarrer Streit um eine gemeinsame Medizintechnikfirma, die Syntellix AG. Nun allerdings hat das Maschmeyer-Lager in einem zentralen Punkt der Auseinandersetzung einen Wirkungstreffer erzielt.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hat das Landgericht Hamburg Claassen per Einstweiliger Verfügung einen Maulkorb verpasst. Er darf nicht mehr behaupten, ein enger Mitarbeiter Maschmeyers habe geheime Informationen über die Erweiterung der Syntellix-Produktpalette an einen Konkurrenten verraten. Andernfalls drohen Claassen 250 000 Euro Ordnungsgeld. Gegen die Entscheidung vom Montag kann Claassen Widerspruch einlegen. Sein Sprecher wollte sich zu dem Vorgang auf Anfrage nicht äußern.

Syntellix stellt Knochenschrauben und Platten aus einer speziellen Magnesiumlegierung her, die sich im menschlichen Körper mit der Zeit selbst auflösen, also nicht wieder herausoperiert werden müssen. Eine womöglich revolutionäre Technologie also, die auch wirtschaftlich entsprechend lukrativ sein könnte.

Vermeintlicher Hauptbeleg für den Geheimnisverrat: eine E-Mail

Der Rechtsstreit berührt einen Kernvorwurf, den Claassen seit Wochen gegen Maschmeyer erhebt. Er geht in etwa so: Nachdem es Maschmeyer nicht gelungen sei, die Mehrheit an Syntellix zu erkämpfen, wolle er dem Unternehmen schaden. Maschmeyer bestreitet dies vehement. Syntellix wurde von Claassen gegründet, der nach wie vor größter Aktionär ist und dem Aufsichtsrat vorsteht. Maschmeyer ist der zweitgrößte Anteilseigner.

Als vermeintlicher Hauptbeleg für den Geheimnisverrat dient Claassen eine E-Mail, die der Maschmeyer-Vertraute Klaus Schieble an den Eigentümer der US-Medizintechnikfirma Arthrex geschickt hat, einen der größten Syntellix-Konkurrenten. Darin machte Schieble im August 2015 Angaben zu anstehenden, neuen Produkten bei Syntellix und zur Internationalisierungsstrategie des Unternehmens. Doch das Landgericht wies diese Darstellung zurück.

Schieble habe durch Unterlagen glaubhaft machen können, "dass die in der fraglichen E-Mail mitgeteilten Details bereits bekannt waren", schreibt die 24. Zivilkammer in ihrer Entscheidung, die der SZ vorliegt. Im Übrigen habe sich Claassen vor der besagten E-Mail "selbst gegenüber der Presse in Bezug auf die in Rede stehenden Produkte und den damit verbundenen Einsatzbereich öffentlich geäußert".