bedeckt München 18°
vgwortpixel

Supermarktkette:Kaufvertrag für die Real-Supermärkte ist unterschrieben

Metro verkauft Supermarkttochter Real

Der Handelskonzern Metro hat nach monatelangem Tauziehen den Verkauf seiner angeschlagenen Supermarktkette Real unter Dach und Fach gebracht.

(Foto: dpa)

Nach langem Hin und Her steht nun fest: Der bisherige Eigentümer Metro bekommt von deutsch-russischen Investoren etwa 300 Millionen Euro.

Der Supermarktkette Real ist offiziell verkauft worden. Die 276 Märkte der Kette werden von dem deutsch-russischen Konsortium SCP Group und X+Bricks übernommen. Der Aufsichtsrat von SCP rund um den Oligarchensohn Felix Jewtuschenkow hatte am Dienstagabend zugestimmt. Der Düsseldorfer Handelskonzern Metro erhält nach vollständigem Abschluss der Transaktion etwa 300 Millionen Euro. Ein entsprechender Kaufvertrag wurde von beiden Seiten unterschrieben.

Die SCP Group ist ein in Luxemburg und London ansässiger Finanzinvestor, der aus dem russischen Mischkonzern Sistema hervorgegangen ist. X+Bricks betätigt sich als ein auf Supermärkte spezialisierter Immobilienentwickler.

Das Konsortium will 50 Filialen für mindestens zwei Jahre erhalten und weiter betreiben. Wie die Immobilieninvestoren das bewerkstelligen wollen, ist unklar. Real verliert damit etwa 80 Prozent seines Umsatzes von derzeit knapp sieben Milliarden Euro. Bestimmte Strukturen vom Real Service Management in Düsseldorf müssen trotzdem aufrecht erhalten werden. Andererseits sinkt durch den Verkauf das Einkaufsvolumen, wodurch sich Reals Verhandlungsposition bei den Lieferanten verschlechtert. Im Wettbewerb mit anderen Händlern werden die 50 verbliebenen Märkte dadurch geschwächt, was die Wahrscheinlichkeit mindert, dass sie nach zwei Jahren fortgeführt werden.

Der Verkauf soll bis zum Sommer abgewickelt sein

Eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung der Transaktion kommt dem ehemaligen Geschäftsführer von Kaufland, Patrick Kaudewitz, zu. Er hatte vergangenes Jahr die Schwarz Gruppe, zu der auch Lidl gehört, verlassen und heuerte vor Kurzem beim Konsortium an. Er soll Aufsichtsratschef der Betreibergesellschaft werden. Diese wird dafür zuständig sein, einzelne Märkte zu schließen, an andere Handelskonzerne weiterzuverkaufen und einen Kernbestand weiter zu bewirtschaften. Zudem übernimmt das Konsortium das Onlinegeschäft von Real.

In dieser Dimension sind in Deutschland noch nie Standortpakete für Großflächen verkauft worden. Real-Märkte sind im Durchschnitt 8000 Quadratmeter groß und damit noch etwas größter als ein Fußballfeld. Metro-Chef Olaf Koch hatte am Donnerstagvormittag angekündigt, dass der Verkauf bis zum Sommer abgewickelt sein soll.

Nach Angaben des Gesamtbetriebsrats müssen 10 000 der insgesamt etwa 34 000 Real-Mitarbeiter mittelfristig mit einer Kündigung rechnen. Nicht nur werden voraussichtlich in einem ersten Schritt etwa 30 Filialen geschlossen. Auch die Autozubehör- und Bekleidungsabteilungen in den Real-Märkten werden überflüssig. Andere Lebensmittelhändler werden sie nicht weiterbetreiben, da dies nicht zu ihrem Kerngeschäft gehört. Die Kartellbehörden müssen der Übernahme noch zustimmen.

© SZ.de/vd
Konsum und Handel Der Real-Verkauf ist ein Fiasko

Handel

Der Real-Verkauf ist ein Fiasko

Schlimmer hätte es für die Mitarbeiter und den Wettbewerb in Deutschland kaum kommen können. Bei der Supermarktkette hat jetzt ein russischer Oligarchensohn das letzte Wort. Armes Deutschland.   Kommentar von Michael Kläsgen

Zur SZ-Startseite