Streit über Höhe der Reserven:Die Begeisterung ist voreilig

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Doch die Begeisterung über die neuen Fördermethoden ist vorschnell: Sie sind komplizierter, beanspruchen mehr Zeit und verbrennen deswegen auch sehr viel mehr Kapital als die klassische Förderung. Das lohnt sich nur, wenn der Ölpreis entsprechend hoch ist. Gerade eben ist er wieder gesunken - weil die Einigung zum iranischen Atomprogramm möglicherweise dazu führt, dass Sanktionen gegen das Land aufgehoben werden und mehr iranisches Öl auf den Weltmarkt kommt.

Wenn der Preis aber sinkt, bekommen die Firmen ein Problem. Steigt er weiter, leiden die Endverbraucher. "Wie man es auch dreht, die schönen Zeiten sind vorbei. Wir befinden uns im Endspiel um die Erschließung von Reserven", sagt Energieforscher Werner Zittel von der Association for the Study of Peak Oil and Gas (ASPO) und dem Beratungsunternehmen Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH. Auch Prognosen der IEA zufolge werden Schieferöl oder Ölsande langfristig nicht die Lücke füllen können, die der Rückgang der konventionellen Produktion in die Statistiken reißt.

Denn die IEA beschreibt in ihrem Bericht, dass aus bereits entdeckten Ölfeldern von einem bestimmten Zeitpunkt an nicht mehr viel zu holen ist: Sei einmal der Peak, der Höhepunkt, in der Förderung erreicht, nehme der Output solch eines Feldes jährlich um etwa sechs Prozent ab.

Oil Boom Shifts The Landscape Of Rural North Dakota

Nichts sprudelt für immer: Öl- und Gasbohrung in North Dakota

(Foto: AFP)

Sorgen um eine Welt ohne Öl

Bis 2035 rechnet die IEA deswegen damit, dass die klassische Ölförderung um mehr als 40 Millionen mb/d (Barrel pro Tag) einbricht. "Die Ölförderung der Firma Shell zum Beispiel ist in den letzten zehn Jahren um fast 40 Prozent zurückgegangen. Das fällt nur deshalb niemandem auf, weil der gestiegene Ölpreis trotzdem höhere Gewinne ermöglicht", sagt Zittel. Dass das konventionell geförderte Öl zur Neige geht, ist mittlerweile nahezu unumstritten.

Die meisten Experten sind dennoch der Meinung, dass die Menschheit sich erst in 40 oder 50 Jahren um eine Welt ohne Öl sorgen müsse. Bis dahin sei die unkonventionelle Förderung schließlich noch ausbaufähig. Die Energiekonzerne sind sich sowieso einig: Zu Beginn dieses Jahres bekräftigte BP-Chef Bob Dudley, die Peak-Oil-Theorie sei vollkommen "aus der Luft gegriffen".

Diese Theorie hat der amerikanische Geologe und Politiker Marion King Hubbert in den 1950er Jahren aufgestellt. Sie beschreibt den Zeitpunkt, an dem die gesamte Ölförderung weltweit an ihr Maximum gelangt und das verfügbare Öl immer weniger wird.

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