Streit über Höhe der Reserven Furcht vor dem Ende des Öls

Haben wir den Höhepunkt der Ölförderung schon hinter uns, sind wir mittendrin oder steht uns "Peak Oil" erst noch bevor? Erbittert streiten sich Wissenschaftler und Energiemanager über die globalen Ölreserven. Es gibt viele Statistiken aus verschiedenen Quellen - und viele Akteure, die kein Interesse an genauen Zahlen haben.

Von Pia Ratzesberger

Aufgeben wollte Edwin L. Drake noch lange nicht, aber zumindest das Wochenende sollten er und seine Mitstreiter der Pennsylvania Rock Oil Company (Seneca Oil) frei haben. Zwei Jahre schon bohrte der ehemalige Zugführer in Titusville vergeblich nach Öl. Auch an diesem Tag wollte die Erde keinen Tropfen hergeben. Die Arbeiter verließen die Arbeitsstätten am Fluss. Nur der Bohrexperte William Smith kontrollierte am nächsten Tag, einem Samstag, den Bohrturm. Und fand um ihn herum die ersehnten dunklen Tropfen aus der Erde sickern.

Der 27. August 1859 ging als Beginn der industriellen Ölförderung in die Geschichte ein. Damals glaubten viele, Drake und Smith hätten eine nie versiegende Quelle entdeckt. Der Ölrausch begann, vom "schwarzen Gold" Angezogene pilgerten nach Pennsylvania.

Heute, mehr als 150 Jahre später, ist klar: Die Ölförderung hat ihre Grenzen. "Wir fahren in einem Fahrzeug, von dem wir nicht wissen, wie viel der Motor verbraucht, und dessen Benzinanzeige leider nur im unteren Warnbereich funktioniert", sagt Professor Christoph Heubeck vom Geologischen Institut an der Freien Universität Berlin.

Warnung der IEA

Besonders die neueren Fördermethoden werden oft als Lösung aller Probleme angepriesen: zum Beispiel Öl aus Teersanden, Schiefergestein oder Offshore-Feldern. Mitte November hat die Internationale Energie Agentur (IEA) in ihrem Weltenergie-Bericht jedoch davor gewarnt, sich zu viel von diesen Möglichkeiten zu versprechen. Die IEA-Zahlen sind die einzigen, die als einigermaßen verlässlich gelten. Praktisch alle anderen Zahlen kommen von Unternehmen oder Staaten, die einen Anreiz davon haben, es mit den Zahlen nicht so genau zu nehmen.

Süddeutsche.de und Le Monde sind Medienpartner von Arte für das Doku-Game "Fort McMoney". Wer mitspielt, bestimmt mit: Er übernimmt die Rolle der Einwohner von Fort McMurray in Kanada, ihren Zwiespalt zwischen Wirtschaftsboom einerseits, sozialen und ökologischen Problemen andererseits. Das Spiel wird von der kanadischen Medienförderung CMF/FMC mitfinanziert, vom kanadischen Filmboard ONF/NFB und der Firma Toxa produziert. Hier geht es zum Spiel.

Zwar geht die IEA davon aus, dass in den kommenden zehn Jahren die unkonventionellen Wege durchaus an Bedeutung gewinnen. Vor allem die USA sollen nach Statistiken des Energiekonzerns BP enorm profitieren. 2030 werde das Land fast komplett unabhängig von Importen sein, prognostiziert BP, nur ein Prozent des Öls komme dann noch aus dem Ausland.